Sonntag, 3. Dezember 2017

Blicktechniken im Klartraum


Paul Tholey hat einen sehr interessanten Aufsatz über die Wirkungen des Blicks während des Traums oder des Klartraums verfasst.

Hier geht es zum ganzen Text

Wenn man im Wachen mit dem Blick experimentiert, kann das schon sehr beeindruckende Wirkungen haben. Viele Meditationsformen nutzen genau diesen Effekt.
Eine sehr einfache Übung ist z.B. einen Gegenstand zu betrachten und sich dann vorzustellen, man würde durch diesen Gegenstand durchschauen. Das führt zu einer kleinen Änderung in der Stellung der Augen, die schon eine Wirkung hat.
Während des Traums durchgeführt, entfalten diese Blicktechniken sogar noch eine viel größere Wirkung. Tholey schreibt:

Die hierbei auftretenden Phänomene sprengen teilweise jegliche, von der Wachwahrnehmung geprägte, Vorstellungskraft, so daß man mit Fug und Recht von einem 'entfesselten Blick' sprechen kann.
Weiter unten schreibt er:

Wenn das erforderliche Maß an Übung erreicht ist, können im Klartraum Erlebnisformen verwirklicht werde, die von der Alltagsansicht her unvorstellbar oder gar undenkbar erscheinen
In diesem Aufsatz beschreibt Paul Tholey Blickvariationen, die man im Wachzustand sowie im Traumzustand üben kann. Besonders beeindruckt haben mich diese Blickvarianten:


Der weiche Blick



Der weiche Blick ist die Grundlage für viele weiterführende Blickvarianten. Am besten ist es, wenn man den weichen Blick im Wachen einübt, um ihn dann im Klartraum sofort abrufen zu können. 
Tholey schreibt außerdem, dass der weiche Blick in vielen Kulturen bekannt ist und dazu verwendet wird, um 'schöpferisches Denken, Gestalten und Handeln im Wachzustand positiv zu beeinflussen'. 

Der weiche Blick wird häufig bei Stereogrammbildern (z.B. das magische Auge) verwendet, um die verborgenen 3D-Bilder sichtbar zu machen. 
Hierfür bringt man  seine beiden Daumen in gleichem Abstand vor die Augen und fixiert mit dem Blick einen Bereich hinter den Daumen, so dass sich wie in den Bilder unten die doppelten Bilder überlagern.

Blicktechniken im Klartraum

Blicktechniken im luziden Traum
 Diese Blicktechnik kann auch als Stabilisierungstechnik verwendet werden.




Der magische Blick



Anders als  beim weichen Blick bezieht sich der magische Blick auf den Inhalt des Traumes und darauf, darauf Einfluss zu nehmen.
Allein durch die Absicht oder die Art, wie der Träumer Objekte oder Traumpersonen betrachtet, kann er Einfluss auf deren Eigenschaften und Verhalten nehmen. Betrachtet man eine feindselige Traumgestalt liebevoll, wird sie ihr Verhalten ändern und zugänglicher.
So kann der Träumer den Traum steuern


360°-Blick, Kugelblick und Tunnelblick



Der Träumer kann sein Gesichtsfeld immer weiter ausdehnen bis es den kompletten Raum einnimmt. Dieses Phänomen wird von verschiedenen Autoren beschrieben, unter anderem Werner Zurfluh und Robert Bruce. Ebenfalls wird es im Film „Waking Life“ erwähnt.

Eine Möglichkeit, diesen Blick zu erreichen, so schreibt Tholey, besteht darin, sich langsam nach hinten rotieren zu lassen und dabei zu versuchen, die Traumumgebung unten weiter im Blick zu behalten.


Der außerkörperliche Blick



Physikalisch funktioniert das Sehen so, dass Licht von außen auf die Netzhaut trifft. Man selbst nimmt den Blick häufig als eine Art Strahl wahr, der von den Augen zu den betrachteten Objekten trifft, ähnlich wie Cyclops von den X-Men. 
Mit diesem Bild kann man im Klartraum und während hypnagoger Phasen interessante Effekte hervorrufen, etwa einem hypnagogen Bild Stabilität geben. 
Oder man kann sein Ich auf diesem Blickstrahl 'reisen' lassen und sich zu jedem Ort, den man sehen kann, teleportieren.  Es ist sogar möglich, sein Ich mit dieser Methode in eine fremde Traumfigur zu versetzen. 

Der doppelte Blick

Es ist möglich, sich während des Klartraums zu teilen und von zwei Ich-Kernen aus die Traumumgebung zu beobachten. Die einfachste Methode ist, sich dies während des Traums zu suggerieren.
 


Der erleuchtete Blick

Dieser Blick ermöglicht es dem Träumenden, eine kosmische Erfahrung zu machen. Tholey beschreibt diesen Bewusstseinszustand mit einem Zitat des japanischen Philosophen Izutsu:
'An dieser Stelle verlieren alle Dinge ihre wesentliche Begrenzung. Und da fließen alle Dinge ineinander, einander widerspiegelnd und voneinander widergespiegelt in dem genzenlos ausgedehnten Feld des Nichts ... das Erfahren des Nichts (bedeutet) nicht etwa, daß das Bewußtsein unbesetzt und leer wird. Ganz im Gegenteil, das Bewußtsein 'ist' durch sich selbst in der unverdorbenen Reinheit, reines Licht oder einfache Erleuchtung, durch sich selbst erleuchtet und sich selbst erleuchtend. Es ist das SEHEN.'

Hierfür wechselt man vom Erleben zu einem passiven, hingebungsvollen Schauen und gelangt so in diesen Bewusstseinszustand, den man mit genügend Übung auch die ganze Nacht aufrecht halten kann. 

Siehe auch:



Freitag, 1. Dezember 2017

Australische Studie überprüft Wirksamkeit der Klartraumtechniken RCs, WBTB, MILD

In der Ausgabe 27 No. 3 des Magazins 'Dreaming' wurde eine Studie veröffentlicht, die die Wirksamkeit der Klartraumtechniken 'Reality Testing', 'WBTB' und 'MILD' vergleicht.
 
Die Studie wurde von Dr. Denholm Aspy von der University of Adelaide durchgeführt. Es wurden   drei Gruppen mit insgesamt 169 Teilnehmende verglichen. Jede dieser Gruppen führte zu Vergleichszwecken eine Woche lang Traumtagebuch. In der darauffolgenden Woche bekam jede Gruppe eine Methode zugewiesen:
  • Gruppe 1 machte täglich mindestens 10 Reality Checks
  • Gruppe 2 machte zusätzlich zu den Reality Checks noch ein WBTB, stand also nach 4-5 Stunden Schlaf für etwa eine halbe Stunde auf.
  • Gruppe 3 führte Reality Checks durch und wendete nach dem WBTB die MILD-Technik an.

Ergebnisse

Untersucht wurde, in wie vielen Nächten die Versuchspersonen einen Klartraum hatten. Als besonders effektiv erwies sich die Kombination der drei Techniken RC, WBTB und MILD. Die Versuchspersonen konnten ihre Klartraumquote von 9,4% auf 17.4% steigern. D.h. in Woche 2 war die Klartraumrate 84,5% höher als in Woche 1.  
In einer bislang noch nicht veröffentlichten Studie hat Dr. Aspy die SSILD-Technik untersucht. Die Klartraumquote konnte um 54% gesteigert werden. Damit ist die MILD+WBTB-Technik etwas wirksamer als SSILD.


In der Tabelle unten ist aufgeführt, in wie vielen Nächten ein Klartraum aufgezeichnet wurde.


Methode Woche 1 Woche 2 Verbesserung  p
Reality Testing 8,1 % 7,6 % -6,8 % 0,786
RT + WBTB 6,9 % 10,7 % 54,1 % 0,301
RT + WBTB + MILD 9,4 % 17,4 % 84,5 % 0,003
SSILD 9,5 % 14,7 % 54,1 % N.A.

Interessantes

Wenn die Probanden sich nach der ersten Nachthälfte an keinen Traum erinnern konnten, hatten sie danach bessere Erfolge mit der MILD-Technik nach dem WBTB.
Die Probanden fühlten sich am Tag nach einem Klartraum ausgeschlafener und bewerteten ihre Schlafqualität als etwas besser.
Obwohl 36% der Teilnehmenden bereits Erfahrungen im Klarträumen hatten, hatte dies keinen messbaren Effekt auf die Wirksamkeit der Klartraumtechniken. Anfänger und Erfahrene hatten gleich gute Erfolge.

Anmerkungen:

Die Studie war sehr gut designt. Im veröffentlichten Paper geht der Autor auf viele weitere Parameter ein, die die Effektivität der Klartraumtechniken beeinflussen.

Probanden:

Die Klartraumquote der Versuchsgruppe vor den Klartraumtechniken lag mit 8,1% vergleichsweise hoch. Das entspricht einer Klartraumquote von 2,4 klaren Nächten pro Monat.
Insgesamt 27% der Probanden hatten in Woche 1 mindestens einen Klartraum. War die Studie repräsentativ?

Reality Checks

Die Testgruppe, die nur Reality Checks durchführte konnte die Klartraumquote im Lauf der Studie nicht steigern. Der Autor räumt ein, dass der Zeitraum von einer Woche sehr kurz gewählt war und vermutet, dass ein längerer Untersuchungszeitraum bessere Erfolge bringen könnte.
Die Probanden führten durchschnittlich 10 Reality Checks pro Tag durch. Möglicherweise hätten mehr Reality Checks ebenfalls bessere Ergebnisse erzielt. Das könnte Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.

MILD-Techniken in den Medien

Die MILD-Technik wird in vielen Zeitungsberichten über diese Studie falsch beschrieben. Ein wichtiger Punkt ist, dass man sich nach dem WBTB bildhaft vorstellt, wie man in einem zukünftigen Traum klar wird und nicht nur, dass man beim Einschlafen eine Affirmation wiederholt.

Siehe auch:

Wie man Klarträumen lernt - Süddeutsche.de
Reality testing and the mnemonic induction of lucid dreams: Findings from the national Australian lucid dream induction study.
Website von Dr. Denholm Aspy
Verschiedene Klartraumtechniken im Vergleich

Donnerstag, 30. November 2017

Klartraum-Plausch XI: Zitiere aus deinem Lieblings-Klartraum-Werk und nenne den Grund für deine Wahl!


In der elften Ausgabe des Klartraum-Plauschs von Traumlektuere.com geht es um die Frage:

Zitiere aus deinem Lieblings-Klartraum-Werk und nenne den Grund für deine Wahl!
Eines meiner Lieblings-Klartraum-Werke ist 'Schöpferisch Träumen' von Paul Tholey. Obwohl es mittlerweile viele neuere und von den Techniken her aktuellere Klartraum-Bücher gibt, geht kaum ein andere*r Autor*in so detailliert auf die grundlegenden Aspekte des Klarträumens ein.
Besonders der Umgang mit Albträumen wird nirgends so gut erklärt wie in diesem Buch. Ab S. 53 beschreibt Tholey intensiv einen reifen Umgang mit Albtraumgestalten.


Meine Lieblingsstelle ist der Klartraumbericht ab S. 100, den man hier nachlesen kann. Aus Copyrightgründen würde ich ihn hier nicht zitieren.
Dieser Traumbericht zeigt meiner Meinung sehr eindrucksvoll, wie sehr die Beschäftigung mit den eigenen Träumen unser Leben bereichern kann.

Siehe auch:

Alle Beiträge zum Klartraum-Plausch
Schöpferisch Träumen bei Amazon.de
Schöpferich Träumen kostenlos lesen bei Scribd.com

Freitag, 24. November 2017

Binaural Beats VIII: Klartraum-Affirmationen mit Binaural Beats

Ich habe ein paar Affirmations-Files mit Binaural Beats erstellt und möchte sie in diesem Post teilen.
Wer möchte, kann sie kostenlos runterladen.

Anwendung:

Die Files bringen den Hörer in einen Zustand der Entspannung. Deshalb sollten sie auf KEINEN Fall vor oder beim Autofahren oder bei sonstigen gefährlichen Tätigkeiten angehört werden.


Ideal ist, die Dateien täglich für einen bestimmten Zeitraum, z.B. einen Monat, zu einer festen Zeit anzuhören. Es bietet sich an, die Dateien vor oder zum Einschlafen oder während des WBTBs zu hören.

Kostenloser Download

Klartraum-Affirmationen mit Regen und 7 Hz Brainwave-Entrainment
Hier geht's zum Download


Klartraum-Affirmationen mit 4 Hz Binaural Beats
Hier geht's zum Download


Klartraum-Affirmationen Supraliminal mit Ozeanrauschen
Hier geht's zum Download

Klartraum-Affirmationen mit Echo und Ozeanrauschen
Hier geht's zum Download


Creative Commons Lizenzvertrag
Diese Werke sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Feedback

Ich würde mich über ein kurzes Feedback sehr freuen. Wie gut haben die Files gewirkt? Was hat dir gut gefallen?

Siehe auch:

Binaural Beats I: Allgemeines
Binaural Beats II: Kostenlose Downloads
Binaural Beats III: Binaural Beats selbst erstellen



Freitag, 20. Oktober 2017

Klartraum-Plausch X: Würdest du viel Geld für ein Klartraum-Induktionsgerät ausgeben?

In der zehnten Ausgabe des Klartraum-Plauschs von Traumlektuere.com geht es um die Frage:

Würdest du viel Geld für ein Klartraum-Induktionsgerät ausgeben?
Eine gute Frage, die man von vielen Seiten beleuchten kann.
Leider gibt es momentan keine zuverlässige technische Möglichkeit, Klarträume hervorzurufen. Die auf den ersten Blick vielversprechende transcranielle Wechselstromstimulation (tACS) entpuppte sich als Luftnummer. Die besser erforschte Methode, dem Träumer von außen durch Leuchtdioden zu signalisieren, dass er gerade träumt,  ist da etwas wirksamer. Von 'Klarträumen auf Bestellung' sind beide Methoden noch weit entfernt.

Angenommen, es gäbe so ein Gerät, das bei einmaliger Anwendung einen Klartraum hervorrufen würde, wie viel Geld würde ich dafür ausgeben? Würde ich es überhaupt haben wollen?

Wie viel Geld ist viel?

Der durchschnittliche Nettolohn in Deutschland betrug 2016 etwa 1800 €. Ein Tageslohn wäre dann bei 90€.
Würde ich vier Tage nur dafür auf die Arbeit gehen, dass ich mir das besagte Gerät leisten kann? Eine Playstation kostet mit etwas Zubehör etwa so viel. Wären mir regelmäßige Klarträume so viel wert wie eine Playstation?
Würde ich einen halben Monat nur dafür arbeiten, um regelmäßig klar träumen zu können? Eine Woche Urlaub würden etwa so viel kosten. Was würde ich wählen: Eine Woche Urlaub oder regelmäßige Klarträume?

Was ist ein mir ein Klartraum wert?

Interessant ist auch die Frage: Wie viel ist mir ein Klartraum wert? Kann ich den Wert eines luziden Traums in Geld bemessen?
Wenn ich das Klarträumen nur zur Unterhaltung betreibe, wäre es mir dann so viel wert wie ein Kinobesuch? Oder ein Besuch im Zoo?
Wenn ich aber kreativ tätig bin, dann könnte ein Klartraum viel mehr wert sein. Die Melodie von Yesterday hatte Paul McCartney in einem Traum. Das unbegrenzte kreative Potenzial eines Klartraums anzapfen zu können, wäre einigen sicherlich mehr Geld wert.

Langzeiteffekte des Gerätes

Wie würde sich die Benutzung des fiktiven Gerätes auf meine langfristige Fähigkeit zum Klarträumen auswirken? Würde ich davon auch ohne Gerät ein besserer Klarträumer (Ähnlich wie bei Stützrädern am Fahrrad)?
Das würde meine Kaufentscheidung noch weiter beeinflussen.

Meine Entscheidung

In einer neuen Studie der Universität Adelaide konnten 53% der Teilnehmer innerhalb einer Woche ihren ersten Klartraum bekommen - ganz ohne äußere Hilfsmittel. Die Kombination von Reality Checks und MILD/WBTB führte zu einer phänomenalen Erfolgsquote von 17%. Hut ab!
Ich denke, dass das größte Potenzial nicht in äußeren Hilfsmitteln sondern in der Entwicklung neuer und effektiveren Techniken liegt.

Wenn mir jemand ein tatsächlich wirksames Gerät anbieten würde, würde ich es für 200€ kaufen.

Siehe auch:

Alle Beiträge zum Klartraum-Plausch

Freitag, 13. Oktober 2017

ASMR und Klarträume

ASMR, ausgeschrieben Autonomous Sensory Meridian Response, ist ein kribbelndes Gefühl, das sich vom Nacken über die Kopfhaut und den Rücken ausbreitet. Von der Art her würde ich ASMR so beschreiben, wie wenn man von einem dieser SensusMagnus-Kopfmassage-Geräten massiert wird. Dieses Gefühl wird durch verschiedene Reize wie etwa Flüstern, Papierrascheln oder von Trommel von Fingernägeln auf einer harten Oberfläche ausgelöst. ASMR tritt jedoch nicht bei allen Menschen auf.
In den sozialen Medien hat sich eine große Community gebildet, sogenannte ASMRtists veröffentlichen Videos mit Triggern, die bei ihren Zuschauern dieses manchmal als tranceartig beschriebene Gefühl auslösen sollen. Die größten Kanäle haben über 1,3 Millionen Abonnenten.
Es scheint eine Verbindung zum Klarträumen zu geben: Einige Klarträumer nutzen ASMR, um bewusster Einschlafen zu können und im Gegenzug haben viele ASMR-Künstler auch Videos veröffentlicht, in denen sie mit flüsternder ASMR-Stimme das Klarträumen erklären.
Besonders gut gefallen mir die Videos von Olivia Kissper. Auch ohne ASMR sind ihre Videos gut recherchiert und informativ.


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Siehe auch:

Artikel über ASMR in der englischen Wikipedia
An examination of the default mode network in individuals with autonomous sensory meridian response (ASMR)

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Gedanken zu Telepathie und Shared Dreams

Anlässlich des Discord-Treffens des Träume-Bewusstseins-Netzwerks am 13.10.2017 zum Thema Telepathie und Shared Dreams wollte ich ein paar Gedanken festhalten und teilen, da ich zeitlich leider nicht am Treffen teilnehmen kann.
Wie kann man Telepathie und Shared Dreams am besten untersuchen?
Im Ankündigungstext der Veranstaltung steht:
Verschiedene Weltbilder und neue Besucher sind herzlich willkommen.
Ich hoffe, dass ich mit diesen Gedanken ein wenig beitragen kann.
Der verflixte Zufall und andere Fallstricke
Die Herausforderung paranormalen Experimenten liegt darin, einerseits die Ergebnisse eindeutig vom Zufall abzugrenzen und andererseits dafür zu sorgen, dass man wirklich ein paranormales Phänomen beobachtet.
Der menschliche Geist bzw. die menschliche Wahrnehmung ist zu beeindruckenden Leistungen fähig, die auf den ersten Blick wie Telepathie wirken. Mentalisten wie Thorsten Havener oder Derren Brown sind fähig, anhand der unbewussten Gesichtszuckungen einer Versuchsperson ihre Handynummer herauszufinden, nur indem sie die Person dabei beobachten, wie sie die Nummer im Geist durchgeht.
Dieses Phänomen ist nicht nur auf Menschen beschränkt. Paul Watzlawick beschreibt in 'Wie wirklich in die Wirklichkeit' die Geschichte vom 'klugen Hans', einem Pferd, das ihm gestellte Rechenaufgaben mit Klopfen des Hufs beantwortet. Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass das Pferd die menschliche Sprache versteht und tatsächlich rechnen kann. Tatsächlich liest das sensible Tier die Körpersprache des Menschen. Sobald die richtige Anzahl an Klopfzeichen erreicht ist, sendet man unbewusst ein Signal und das Pferd stellt das Klopfen ein.
Diese Kommunikation sollte man beim Design eines geeigneten Experiments im Hinterkopf behalten und einen unbewussten Informationsfluss unterbinden.
Wie kann man sicher sein, dass das Ergebnis des Experiments tatsächlich einen Effekt beschreibt und nicht nur auf blankem Zufall beruht? Mithilfe statistischer Methoden kann diesem Problem beikommen.
Mathematisch am einfachsten ist es, das Experiment als Bernoulli-Versuch zu designen. Ein Bernoulli-Versuch ist ein Experiment, das beliebig oft wiederholt werden kann und dessen Ergebnisse keinen Einfluss auf das nächste Ergebnis haben werden. Weiterhin gibt es nur zwei mögliche Ausgänge (Erfolg und Misserfolg) und konstante Wahrscheinlichkeiten. Diese Begriffe werden im folgenden Kapitel genauer erklärt.
Zener-Karten
Telepathie lässt sich gut durch die Zener-Karten untersuchen. Hierbei handelt es sich um ein beliebig großes Set an Karten mit fünf unterschiedlichen Symbolen. Die beiden Teilnehmer haben die Aufgabe, der anderen Person den Inhalt der Karte telepathisch mitzuteilen.
Dieses Experiment erfüllt genau die Kriterien des Bernoulli-Versuchs: Kann beliebig oft wiederholt werden, die Ergebnisse sind quasi unabhängig von dem vorherigen Ergebnis, es gibt nur Erfolg (richtig übertragen) und Misserfolg (keine Übereinstimmung) und eine konstante Wahrscheinlichkeit (wenn der Teilnehmer raten würde, läge er immerhin in 20% der Fälle richtig).
Beim Bernoulli-Versuch gibt es Richtwerte, wie häufig ein Ergebnis aus blankem Zufall auftreten würde.
Ohne zu sehr ins Detail zu gehen hier eine Beispielrechnung:
Untersucht wird ein Kartendeck mit 100 Karten. Rein zufällig würden wir einen Wert von 20 Erfolgen erwarten. 100 Karten mal einer Wahrscheinlichkeit von 0,2 ergeben den Erwartungswert von 20.
mü = n mal p
Wenn unser Testpaar 20 Erfolge hat, wäre es sehr wahrscheinlich, dass es sich bei diesem Ergebnis um Zufall handelt. Wie sieht es aber bei 21 Erfolgen aus? Oder bei 30? Ab wie vielen Erfolgen können wir tatsächlich von einem Effekt sprechen, der über den Zufall hinaus geht?
Hierfür gibt es den Wert der Standardabweichung Sigma. Diese berechnet sich aus der Wurzel aus der Anzahl der Versuche, der Erfolgswahrscheinlichkeit und der Misserfolgswahrscheinlichkeit. 
 Sigma = Wurzel aus n mal p mal q
Bei den 100 Versuchen und einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 0,2 (=20%) und einer Misserfolgswahrscheinlichkeit von 0,8 ergibt sich ein Wert von 4.
Durch die Sigma-Regeln können wir sagen, dass bei so einem Experiment in 68% der Fälle das Ergebnis zwischen 16 und 24 liegen wird. Allein durch den Zufall.
In 95,5% der Fälle wird das Ergebnis zwischen 12 und 28 liegen und in 99,7% der Fälle wird das Ergebnis zwischen 8 und 32 Erfolgen liegen. Das heißt, bei einem einzelnen Experiment wäre bei mehr als 28 Treffern ein anderer Effekt als der Zufall zu vermuten.
Das gilt aber nicht, wenn ich das Experiment von oben mit 100 unterschiedlichen Versuchspersonen durchführe. In 95,5% aller Fälle liegt das Ergebnis allein durch den Zufall außerhalb des angegebenen Bereichs, d.h. 4,5% der Teilnehmer liegen entweder unter 12 oder über 28 Treffern.
Wenn man eine große Menschengruppe untersucht, müssen deutlich strengere Maßstäbe verwendet werden.
Die Ganzfeld-Versuche
Eine ebenfalls gerne verwendete Methode, um telepathische Phänomene zu untersuchen, sind Experimente,  die auf dem Ganzfeld-Effekt beruhen. Versuchsperson 1 sieht sich in einem Raum  einen Film an, Versuchsperson 2 befindet sich in einem anderen Raum in einem Zustand des Reizentzugs: Über halbierte Tischtennisbälle und Kopfhörer werden alle Umweltreize abgeschirmt, was das Gehirn dazu bewegt, in einen traumartigen Zustand überzugehen. Die Versuchsperson 2 spricht ihre Gedanken, Visionen und Assoziationen laut aus. Diese werden dokumentiert und einem unabhängigen Juror vorgelegt. Anhand dieses Berichts soll der Juror den Film von Versuchsperson 1 aus einer Liste von vier Filmen auswählen.
Hier haben wir wieder ein Bernoulli-Experiment, auf das wir die Formeln von oben anwenden können.
Experimente zur Traumtelepathie
Die oben beschriebenen Experimente können leicht modifiziert für traumtelepathische Experimente verwendet werden. Idealerweise gibt es drei bis vier Beteiligte. Einen Sender, einen Empfänger, einen Juror und eine Person, die die Auswertung macht.
Übertragung von Bildern
Aus einer Sammlung von Bildern (z.B. von Pixabay.com) werden 4 Bilder zufällig ausgewählt. Diese werden dem Juror übergeben. Aus den verbleibenden vier Bildern wählt der Auswerter wiederum eines zufällig aus, das er dem Sender übergibt.
Der Empfänger versucht in der Nacht vorher, dem Empfänger das Bild auf irgend eine Weise telepathisch mitzuteilen (Dabei darf, nachdem der Sender das Bild bekommen hat, kein Kontakt mehr stattfinden).
Der Traumbericht des Empfängers wird dem Juror übermittelt und er versucht, anhand des Berichts ein Bild auszuwählen und teilt seine Wahl dem Auswerter mit.
Übertragung von Filmen
In Zeiten von Youtube und Netflix kann dieses Experiment auch mit Videofilmen wiederholt werden. Die Auswertung bleibt dabei gleich.
Vergleich der Träume
Die Methode, über einen Juror Traumberichte einem anderen Ereignis zuzuordnen, könnte man theoretisch auch auf jeden Traumbericht einer Nacht von zwei Personen anwenden. Dem Juror würden je vier Traumberichte vorgelegt, von denen je einer des Empfängers und Senders tatsächlich aus einer Nacht stammen. Die Erfolgswahrscheinlichkeit, dass der Juror tatsächlich die richtigen Traumberichte zuordnet, läge hier bei 1/16el.
Bei der Auswertung müsste man noch beachten, dass die Standardabweichung Sigma größer als 3 sein muss, damit man die Sigma-Regeln anwenden darf.
Dieses Experiment hätte jedoch den Nachteil, dass es nicht nur auf tatsächliche Telepathie anschlagen würde, sondern auch auf gemeinsame Lebensereignisse der Versuchspersonen, wie z.B. Jahreszeiten, Wohnort oder ähnlichem.
Deshalb würde ich die Versuche 1 und 2 vorziehen, wenn sich genügend Teilnehmende finden.
Ich wünsche euch einen schönen Chat und viel Spaß beim Träumen
Siehe auch: