Dienstag, 2. August 2011

Die sieben Merkmale der Luzidität nach Tholey

Wie im vorigen Post beschrieben bedarf es nach Paul Tholey mindestens der ersten vier der im Folgenden aufgeführten sieben Kriterien, um einen Traum zum Klartraum werden zu lassen. Träume, die weniger der Kriterien erfüllen nennt man präluzid. Aber auch in präluziden Träumen kann man viel Spaß und Erkenntnis haben.

Die Merkmale der Luzidität / Klarheit
  1. Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
  2. Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Klaren.
  3. Das Bewusstsein ist klar, es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübungen.
  4. Die Wahrnehmung der fünf Sinne ist wie im Wachzustand.
  5. Es besteht Klarheit über das Wachleben, also darüber, wer man ist oder was man sich für den Klartraum vorgenommen hat.
  6. Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.
  7. Der Träumer ist sich über den Sinn des Traums im Klaren.

Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
Das ist das wichtigste Merkmal des Klartraums. Einige Träumer kommen auch ohne Training hin und wieder in diesen Zustand, dass sie beispielsweise in einem Albtraum den Traum als solches erkennen und darüber beruhigt sind, dann aber doch die Handlung von eben wie gewohnt fortsetzen. Hier fehlt nur noch ein Quäntchen Klarheit und aus dem trüben, oder besser gesagt präluziden, Abenteuer wird ein wunderbarer Klartraum.

Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Klaren.
Hier wird die Sache noch spannender: Wenn all meine Umgebung um mich herum geträumt ist, warum nicht selbst etwas Hand anlegen? Ich kann mich im Traum frei entscheiden, wie ich mich verhalte.
Eine Reise zum lang ersehnten Urlaubsziel, ein Date mit der Traumfrau, ein Treffen mit einem spirituellen Lehrer, all das ist nur einen Gedanken entfernt.
Zusammengefasst nennt man das Traumkontrolle.
Wobei mit zunehmender Erfahrung im luziden Träumen gerät der Wunsch, den Traum zu kontrollieren und zu beeinflussen zunehmend in den Hintergrund und es entsteht ein gesteigertes Interesse, der Handlung einfach zu folgen und sich überraschen zu lassen, was noch passieren mag. Man weiß zwar, dass man diese Freiheit hat, entscheidet sich aber aus freien Stücken dagegen, sie zu nutzen.
Ken Wilber nennt diesen Zustand pelluzides Träumen.

Das Bewusstsein ist klar, es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübungen.
Im normalen Trübtraum ist der präfrontale Kortex im Gehirn in seiner Aktivität eingeschränkt.
Dieser Teil des Gehirns ist dafür da, bereits Bekanntes mit dem gerade Erlebten zu vergleichen. Grob lässt sich sagen: je aktiver er ist, um so klarer der Traum, um so weniger ist das logische Denken vermindert.
Nicht jedoch im Klartraum.

Die Wahrnehmung der fünf Sinne ist wie im Wachzustand.
So wie im normalen Traum auch.
Durch die Diskussion, dass Träume in schwarz/weiß seien kam Paul Tholey erst zum Klarträumen. Zwar kann man sich am nächsten Tag an die farbenfrohe Umwelt im Traum zurückerinnern, aber man hat keine Erfahrung aus erster Hand. Es fehlt die Möglichkeit, direkte Untersuchungen anzustellen.
So kam Tholey auf die Idee, sich mehrmals täglich zu fragen und ernsthaft zu überprüfen, ob er sich gerade in einem Traum befände. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung automatisierte sich diese Gewohnheit und er nahm sie mit in die Träume. Der erste Klartraum auf akademischer Ebene war geboren!

Es besteht Klarheit über das Wachleben, also darüber, wer man ist oder was man sich für den Klartraum vorgenommen hat.


Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.
Wäre ja schade, wenn nicht. Es kommt aber manchmal vor, dass man Klarträume vergisst oder erst später am Tag die Erinnerung kommt, dass man ja in der Nacht einen Klartraum hatte.


Der Träumer ist sich über den Sinn des Traums im Klaren.
Dieses Kriterium kommt wohl aus der klassischen Traumdeutung und gehört wie erwähnt zu den Kann-Kriterien.
Möchte man die Luzidträume für persönliches Wachstum oder gegen Alpträume einsetzen, bietet es sich an, Traumfiguren oder Szenen nach ihrer Bedeutung zu fragen. Je nach Situation ergeben sich interessante Einsichten und bedeutungsvolle Erlebnisse.
Tholey beschreibt in 'Schöpferisch Träumen' einen Klartraum, der ihm zugesandt wurde, in dem die Person vor einem übermächtigen Verfolger fliehen musste. Irgendwann erkannte sie den Traum, blieb stehen und stellte sich dem Verfolger, um ihn zur Rede zu stellen. Auf die Frage 'Wer bist du?' und 'Was willst du von mir' wurde die Figur ganz nachdenklich und antwortete: 'Das musst du wissen. Du hast mich doch bestellt... Für deine Angst.'

Quellen:
Tholey, Paul: Schöpferisch Träumen
Yuschak, Thomas: Breaking down the wall, Onlineaufsatz

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