Samstag, 27. August 2011

Exkurs: Polyphasing - Polyphasischer Schlaf

In letzter Zeit habe ich  irgendwie viel zu wenig Zeit für alles. Die Tage rasen so vorbei und sind gefüllt von Arbeitengehen und Verpflichtungen. Deswegen habe ich beschlossen, meinen Schlafrhythmus ein wenig umzustellen und das polyphasische Schlafen für mich auszuprobieren.

Der polyphasische Schlaf ist schon eine interessante Idee: Man teilt seinen gewöhnlichen Nachtschlaf von 8 Stunden in mehrere Phasen, meistens zwischen zwei und sechs auf und kommt in der Gesamtdauer auf deutlich unter acht Stunden, wie es beim normalen monophasischen Schlaf der Fall wäre.

Nachdem ich im Jahre 2008 einmal mit dieser Schlafmethode herumexperimentiert habe, habe ich sie ziemlich enttäuscht wieder ad acta gelegt. Allerdings lag das wohl an mir, ich habe einige Fehler dabei gemacht, zum Beispiel die einzelnen Phasen viel zu unregelmäßig durchgeführt und zu viel Kaffee dabei getrunken. Deshalb konnte ich dann in der nächsten Phase nicht mehr einschlafen usw.
Im Gegensatz zu jetzt fühlte ich mich damals richtig beschissen, wenn man das so formulieren darf.
Aber nach der Lektüre von Tim Ferris' Buch Der 4-Stunden-Körper  klang das so vielversprechend, dass ich beschlossen habe, dieser Schlafform nochmal eine Chance zu geben.

Wie funktioniert polyphasischer Schlaf?

Jede Nacht durchlebt der Schlafende mehrere Schlafphasen: den Tiefschlaf, den Leichtschlaf und den REM-Schlaf. Meistens bestehen 50% des Nachtschlafs aus Leichtschlaf und die restlichen 50% teilen sich auf in 20% Tiefschlaf und 30% REM-Schlaf. Die Zellregeneration findet hauptsächlich im Tiefschlaf, das Abspeichern von Erinnerungen hauptsächlich im REM-Schlaf statt.



Quelle: http://de.wikipedia.org/Schlafphase
Durch das Aufspalten dieser Schlafphase wird beginnt das Gehirn eine Optimierung des Schlafverhaltens und reduziert den Leichtschlaf in den einzelnen Phasen.
Bei zunehmender Reduzierung steht das Gehirn vor der Frage 'Tiefschlaf oder REM-Schlaf?' und entscheidet sich für den REM-Schlaf.

Die Methoden des polyphasischen Schlafs
Beim Polyphasischen Schlaf gibt es drei Zyklen: die Siesta-Methode, die Jedermann-Methode und die Ubermann- bzw. Übermensch-Methode (nochmal viele Grüße an Friedrich Nietzsche).
Die Siesta-Methode wird tatsächlich in vielen Kulturen angewandt, zum Beispiel wie der Name sagt, in Mexico. Die Zeit nach dem Mittagessen wird für ein kleines Nickerchen (auf Englisch 'Nap') verwendet. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung wird das Nap im Traumschlaf verbracht und man kann dadurch den Kernschlaf in der Nacht um ca. zwei Stunden reduzieren.

Erhöht man die Anzahl der Naps auf zwei bis fünf, gelangt man in den Jedermann-Schlafzyklus. Jedes Schläfchen am Tage kann den Nachtschlaf um weitere 1,5 Stunden, also um genau eine Schlafphase, reduzieren. So hat der Jedermann Zyklus mit zwei Nickerchen noch 4,5 Stunden Kernschlaf, der Jedermann-Zyklus mit vier Nickerchen nur noch 1,5 Stunden Kernschlaf.
Ich mache sozusagen den Jedermann-Weicheier-Zyklus mit 4,5 Stunden Kernschlaf und 3 Naps. 

Geht man noch einen Schritt weiter auf sechs Naps, entfällt der Kernschlaf und man betreibt den Übermensch- oder Uberman-Zyklus. Alle vier Stunden schläft man für ca. 20 Minuten und kommt so auf eine Gesamtschlafdauer von zwei Stunden pro Tag.
 

Natürlich stellt sich die Frage: ist das überhaupt gesund? Darf man das Gehirn so austricksen, ohne dafür irgendwann einmal die Quittung zu bekommen? Betreibt man damit nicht Raubbau am Körper?

Ich muss ehrlich sagen, ich weiß es nicht. Zukünftige Studien werden vielleicht eindeutige Ergebnisse bringen, im Moment ist man noch auf anekdotische Berichte angewiesen. Steve Pavlina beispielsweise ging es in seinen fünf Monaten des polyphasischen Schlafes ausgezeichnet. Er hat diesen aus anderen Gründen als der Gesundheit wieder aufgegeben. Die ganze Geschichte kann man hier nachlesen. Ebenso sagt man von Thomas Edison und Leonardo da Vinci, dass diese durch polyphasische Naps ihre Gesamtschlafzeit sehr minimieren konnten.



Eine weitere Frage, die ich mir in meinem ersten Experiment oft anhören durfte ist: Träumt man da eigentlich noch?

Ja. Der Traumschlaf ist dem Gehirn wohl der wichtigste und deswegen bestehen nach einiger Eingewöhnungszeit die kürzeren Schlafphasen nur noch aus Traumschlaf.

Oder auch: Ist das überhaupt natürlich?

Schwer zu sagen. Über das Schlafverhalten der frühen Homiden ist im Gegensatz zu deren Ernährung wenig bekannt. Wahrscheinlich hat erst die Einführung des künstlichen Lichtes dieses Verhalten möglich gemacht. Vielleicht auch nicht.
Aber wenn wir nur das machen würden, was natürlich ist, dann könnte man von der Brille über den raffinierten Zucker über die monogame Lebensweise alles vergessen. Auch keine schöne Vorstellung.


Tips:
  • Keinen Kaffee trinken, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich auch ohne Kaffee richtig gut fühlt.
  • Man wird wunderbar wach, wenn man sofort nach dem Aufstehen mit Bildschirmarbeit beginnt, da das Schauen / Starren auf eine helle Fläche die Produktion von Melatonin hemmt. Funktioniert zumindest bei mir wunderbar.
  • Nicht zu lange schlafen, weil man sonst, vor allem in der Anfangszeit, wieder in den Mono-Zyklus zurückfällt. 
  • Kein Nap überspringen. In den Phasen mit viel Kernschlaf kann man die Naps noch recht frei verschieben, aber der Zyklus wird immer starrer, je näher man der Uberman-Methode kommt. Lässt man als Uberman ein Schläfchen aus, so ist das etwa so als würde man eine Nacht durchmachen und man braucht einige Zeit, bis man wieder auf Reihe ist.

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