Mittwoch, 24. August 2011

Exkurs: Spiegelneuronen und Vera Birkenbihl

Seit einiger Zeit geistert der Begriff 'Spiegelneuronen' häufiger durch mein Vokabular. Spiegelneuronen sind Neuronen, die feuern, wenn ein Mensch oder Primat eine Handlung durchführt, aber auch wenn er nur sieht, wie ein anderer diese Handlung durchführt. Sie dienen wohl unter anderem dem Lernen durch Imitation.

Die Spiegelneuronen wurden zuerst 1995 von Giaccomo Rizzolatti in Versuchen mit Makaken beobachtet.
Vera Birkenbihl gibt darüber, wie man die Funktionsweise der Spiegelneuronen im Alltag gut anwenden kann, in ihrem Buch 'Eltern-Nachhilfe einen guten Überblick. Sie definiert die Spiegelneuronen wie folgt:

Sie sind aktiv, wenn man:
  • Anderen zusieht, die eine bestimmte Handlung durchführen
  • Selbst eine bestimmte Handlung durchführt
  • Darüber nachdenkt, wie man eine bestimmte Handlung durchführt
  • An eine bestimmte Handlung erinnert wird
So hat diese Einrichtung der Natur sowohl Vor- als auch Nachteile.
Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Wenn ich irgendeine Sache lernen möchte, z.B. Standardtanz, Martial Arts oder sonstiges, verbessert es meinen Trainingserfolg: Wenn ich Meistern ihres Fachs dabei zusehe, wie sie ihre Kunst ausüben, werde ich nach dieser Theorie auch besser. Dabei muss es sich nicht nur um äußere Tätigkeiten wie ein Handwerk oder eine Wissenschaft handeln, es kann ebenfalls um innere Künste wie die Meditation gehen.
Das könnte eine naturwissenschaftliche Erklärung des Erfolgs der Satsang-Bewegung sein, bei der man einfach Zeit mit einem 'Guru' oder Erleuchteten in einem Raum verbringt. Die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf den 'Guru' oder 'Erleuchteten' könnte bei den Teilnehmern ähnliche Hirnbereiche aktivieren.
Einen ähnlichen Effekt hat Franz Bardon in 'der Weg zum wahren Adepten' beschrieben. In etwa steht da: 'Durch die Verehrung des Meisters schwingt sich der Schüler auf dessen Frequenz ein'.
Subjektiv kann dieser Effekt so wahrgenommen werden.

Nebenbei erwähnt lernen Primaten, zu denen auch der Mensch gehört, auch die Sexualität durch Nachahmung.

Die Spiegelneuronen können aber auch zur Manipulation eingesetzt werden. Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber immer wenn ich im Fernsehen jemanden etwas essen sehe bzw. sah, z.B. in der Pizzawerbung bekomme ich riesigen Hunger und merke sogar, wie mein Speichelfluss zunimmt. Blöde Erfindung, aber meistens siegt meine Faulheit und ich renne nicht zum Backofen, um mir eine Pizza zu backen sondern warte einfach, bis das Gefühl verflogen ist.
Mittlerweile habe ich den Fernseher aus anderen Gründen ganz abgeschafft.

Möglicherweise wird dieser manipulative Effekt der Werbung durch die tranceerzeugende Wirkung des 'auf-einen-Punkt-Starrens' beim Fernsehen verstärkt und man wird offener für die subtilen Manipulationen. (vgl.: Das Birkenbihl Alpha-Buch)
Auch Lucidology empfiehlt, am Abend nicht mehr fern zu sehen, da dies das kritische Denken einschränkt.


Wieso schreibe ich das eigentlich?
Und was hat das mit den klaren Träumen zu tun?

In einem Forum ging es um folgende Diskussion: Ein sehr erfahrener Klarträumer berichtete von einem Bekannten, der sich eigentlich nie groß mit dem Thema befasst hat und auch noch befasst.
Dieser hatte aber in der Nacht nach einer längeren Diskussion mit ihm über das Thema einen Klartraum.
Ich vermute auch hier Spiegelneuronen dahinter. So könnte man beginnen, diesen Effekt zu nutzen, beispielsweise indem man sich mit erfahrenen Klarträumern trifft oder Videoaufzeichnungen ansieht, in denen sie von ihren Klarträumen berichten. Mittlerweile findet man auch einige Youtube-Channels von Klarträumern.

But now for something completely different:
In  'Das neue Stroh im Kopf' gibt es einen Artikel über mentales Training und Muskelaufbau. Hier wird eine Studie zitiert, in der hunderte von Knochenbruch-Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Die erste Gruppe bekam einfach den ganz normalen Gips, die zweite Gruppe, ebenfalls mit Gips, wurde aufgefordert, täglich ca. zehn Minuten im Geiste spazieren zu gehen.

Die Studien kamen zu drei Ergebnissen:
  1. Die Muskeln hatten sich viel weniger zurück gebildet als bei der Kontrollgruppe
  2. Der Heilungsprozess der Gruppe war ca. 2 Wochen voraus
  3. Die Bewegungsabläufe des Gehens hatten weniger gelitten als bei der Kontrolllgruppe.
Wow.

Noch abgefahrener wird es hier und hier.

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