Samstag, 20. August 2011

Schritt 3: Der WILD - Teil 1

Waking Initiated Lucid Dream
WILD ist die Abkürzung für Waking Initiated Lucid Dream was in etwa 'aus dem Wachen heraus gestarteter Klartraum' bedeutet. Diese Herangehensweise bildet sozusagen das Gegenstück zum DILD, bei dem man  normal einschläft und versucht, die Klarheit aus dem Traum heraus zu erreichen. Beim WILD hingegen schläft man klar ein und startet direkt in den Traum.

Hierbei steht man vor der ersten Herausforderung: Normalerweise träumt man hauptsächlich in den REM-Phasen. Sehr fortgeschrittene Träumer können auch in anderen Schlafphasen träumen können. Als Anfänger kann man aber davon ausgehen Traum = REM-Phase.
Leider beginnt der Schlaf üblicherweise nicht mit einer REM-Phase sondern mit einer Tiefschlafphase, auf die eine Leichtschlafphase und erst dann eine REM-Phase folgt. Dieser Vorgang wiederholt sich jede Nacht ungefähr alle 90 Minuten. Das ist von der Natur ganz gut eingerichtet, denn so ist sichergestellt, dass der Mensch von jeder Schlafphase mindestens ein bisschen bekommt.

Um zu WILDen benötigt man den sogenannten SO-REM (= Sleep Onset Rapid Eye Movement), also ein REM-Schlaf, der direkt vom Wachen her gestartet wird. Dieser tritt normalerweise bei Menschen, die nicht an einer Schlafstörung leiden, nicht auf, außer wenn man dem Gehirn vorgaukelt, dass es zu wenig Schlaf bekäme. Scheinbar ist der REM-Schlaf für das Gehirn so wichtig, dass es viel dafür tut, den benötigten REM-Schlaf auf jeden Fall zu bekommen.

Eine Möglichkeit, dem Gehirn einen Schlafmangel vorzutäuschen ist das in früheren Postings bereits erwähnte WBTB. WBTB steht für 'Wake (up and go) back to bed'. Nach 4 bis 6 Stunden Schlaf steht man auf, und bleibt eine Zeit zwischen 10 Minuten und einer Stunde wach und legt sich danach wieder schlafen. Man sollte sich ausreichend müde fühlen, um wieder gut einschlafen zu können, jedoch wach genung, um bewusst in den Traum zu gleiten. Hier muss man ein wenig probieren.
Dem Gehirn fehlen für ein optimales Funktionieren noch eine bis zwei Schlafphasen. Das scheint dem Gehirn gar nicht zu gefallen und im Falle eines wiederholten Einschlafens wird man mit vermehrter REM-Aktivität oder sogar mit SO-REM belohnt.

In den Schlafkurven sieht man einen deutlichen Anstieg der REM-Aktivität nach einer Unterbrechung des Nachtschlafes (vgl. Timothy Ferriss - Der 4Stunden-Körper), wobei der Leichtschlaf wegrationalisiert wird.
Nach heutigem Stand der Forschung scheint der Leichtschlaf verhältnismäßig überflüssig zu sein und dient wohl eher der Energieeinsparung als der Regeneration oder dem Abspeichern von Wissen.

Nun könnte man annehmen, dass das Gehirn sich nur eine Zeit lang austricksen lässt und der Effekt des WBTB im Laufe der Zeit nachlässt. Der Erfahrung nach scheint das nicht der Fall zu sein. Unter anderem dadurch, dass man sich über das gesteigerte Traumerleben freut passt sich das Gehirn diesem Rhythmus an und man kann mit zunehmender Übung immer mehr mit den intensiven und klaren Träumen rechnen.

Steve Pavlina hat diesen Effekt mit dem Polyphasischen Schlaf auf die Spitze getrieben. Beim sogenannten Ubermann-Schlafzyklus teilt man den Nachtschlaf in sechs Nickerchen, sogenannte Naps von etwa 20 bis 30 Minuten, über den Tag auf. Diese bestehen dann nur noch aus REM-Schlaf und der ganze restliche Schlaf wird wegrationalisiert.
Nach einer Zeit von fünf Monaten kam Pavlina wieder vom Polyphasischen Schlaf ab und entschied sich wieder für einen normalen, monophasischen Schlaf.
Obwohl sein Gehirn Nacht um Nacht mittlerweile wieder acht Stunden Schlaf bekommt startet er abends immer noch mit einer REM-Phase und wacht nach 20 Minuten wieder auf und kann sich an einen sehr intensiven Traum erinnern.

Der Einstieg in die Traumphase

Hat man sich nun frühmorgens aus dem Bett bewegt, irgendetwas Sinnvolles gemacht und daraufhin wieder hingelegt, so geht es darum, das Wissen, dass all das, was gleich passieren wird, ein Traum sein wird, mit in den Schlaf zu nehmen.

Die hypnagogen Bilder:
Am einfachsten ist wohl der Übergang über die hypnagogen Bilder. Der Effekt der hypnagogen Bilder kommt vor, wenn das Bewusstsein sich auf dem Weg in den Schlaf befindet, man also nicht mehr ganz wach ist, aber auch noch nicht ganz schläft.
Normalerweise sieht man bei geschlossenen Augen, zumindest mir geht das so, bunte flackernde Punkte. Das nennt man das ideoretinale Leuchten und das hat etwas von den weißen Punkten bei einem alten Fernseher, bei dem kein Kanal eingestellt ist.

Mit zunehmender Nähe zum Schlaf beginnen sich diese zu erst sinnlosen Lichtpunkte zu einfachen geometrischen Mustern zu verbinden bis hin zu einfachen Gegenständen.
Diese Bilder gilt es nun entspannt zu beobachten ohne einzugreifen. Das erfordert vielleicht einige Übung aber nach schon recht kurzer Zeit hat man den Kniff raus, diese Bilder zu beobachten und einfach fließen zu lassen.
Der Versuch, die Bilder willentlich zu verstärken, zerreißt sie meistens, trotzdem muss die Aufmerksamkeit auf den Bildern bleiben, um sie zu intensivieren. Das ganze hat etwas von dem Versuch, eine Seifenblase durch einen Hindernisparcours zu treiben. Aber wie gesagt, hat man den Kniff erst einmal raus, so geht es ziemlich leicht.

Mit der Zeit des Beobachtens intensivieren sich die Bilder von einfachen Formen bis zu detaillierten Bildern auf dem schwarzen Hintergrund der Augen bis hin zu Personen und zum Schluss zu dreidimensionalen Szenen. Jetzt ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt, jetzt steht man kurz vor dem Übergang in den Traum.
Wichtig ist, das Wissen, dass das ein Traum ist, auch mitzunehmen, das ist wie das Durchschreiten eines Tors.

Wenn es juckt und spannt
Manche Anfänger berichten darüber, dass es sie beim WILDen sobald sie sich hingelegt haben, immer mal wieder juckt.
Das tritt häufig bei den ersten Versuchen auf, wenn man nicht daran gewöhnt ist, bei wenig Außenreizen bei Bewusstsein zu bleiben. Dem Drang, sich zu kratzen kann man nachgeben und da weitermachen, wo man gerade aufgehört hat.

Wer wegen Verspannungen im Nacken (z.B. wegen eines Computerarbeitsplatzes) schlecht auf dem Rücken liegen kann, ohne dass die Schultern weh tun, kann ein flaches Kopfkissen unterlegen. Jedoch nicht unter den Kopf, sondern etwas tiefer, oberhalb des Bauchnabels bis etwas über die Schulterblätter. Damit streckt man den Rücken in die andere Richtung als bei der Schreibtischarbeit.
Mir tut es recht gut, aber ich weiß nicht, was ein ausgebildeter Physiotherapeut dazu sagen würde.
Ich hafte jedenfalls nicht für Rückenschmerzen.

Und jetzt: Viel Spaß im Traum.

Auch bei dieser Technik sollte man sich Zeit geben und dran bleiben. Manche schaffen es schneller, einen stabilen Übergang hinzubekommen, andere brauchen etwas mehr Übung. Ich würde hier zwischen zwanzig und dreißig dokumentierten Versuchen raten.

Interessanterweise sind mir persönlich die hypnagogen Bilder zum ersten mal nach dem Film 'The Cell' aufgefallen, in dem die Hauptperson (Jennifer Lopez) über eine Schnittstelle in das Gehirn eines Killers eindringt, wo sie äußerst surreale Bilder zu sehen bekommt. Die Nacht danach sah ich diese Bilder auch, leider habe ich das nur noch einige Nächte verfolgt und mich dann aber nicht weiter darum gekümmert.

Angeblich sollen die Surrealisten die hypnagogen Bilder als Inspiration genommen haben. Das Bild mit den zerfließenden Uhren von Salvador Dalì soll von einer hypnagogen Szene inspiriert sein.

Als letzter Tipp von Tholey sei noch erwähnt, sich am besten eine Handlung vorzunehmen, die man im Traum auszuführen, um die Gefahr des Eintrübens beim Übergang zu verhindern.

Weitere Techniken und Variationen kommen im nächsten Post.

Weiterführende Links:
http://www.lucidity.com/NL63.RU.Naps.html

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