Mittwoch, 28. September 2011

Binaural Beats

Binaural Beats bestehen aus zwei Tönen mit unterschiedlichen Frequenzen, die getrennt in jeweils das linke und das rechte Ohr gespielt werden. Im Gehirn überlagern sich diese Wellen, wodurch subjektiv eine Schwebung aus beiden Frequenzen wahrgenommen wird. Das funktioniert, wenn sich die Töne um nicht mehr als ca. 30 Hz unterscheiden und die Frequenz der einzelnen Töne unter 1000 Hz liegt. Spielt man  beispielsweise in das rechte Ohr einen Ton von 200 Hz und in das linke Ohr einen Ton von 220 Hz wird ein Wummern mit einer Frequenz von 20 Hz im Gehirn wahrgenommen.
Das Gehirn versucht, sich daran anzupassen und produziert mehr Gehirnwellen dieser Frequenz.


Ganz so einfach ist es in der Praxis leider nicht ganz, sonst könnte man ganz einfach mit Audacity mit fünf Minuten Aufwand sämtliche Zustände im Gehirn erzeugen. Professionelle Anbieter von Brainwave-Entrainment-Programmen, die auf Binaural Beats beruhen wie Kelley Howell oder Robert Monroe von Hemi-Sync stecken in ihre Produkte deutlich mehr Entwicklungsarbeit rein. In 'Far Journeys' schreibt Monroe von mehr als 60 000 Sitzungen (Versuchen), die er durchgeführt hat, um letztendlich den optimalen Klang zu finden.
Die Tonträger von Kelley Howell bestehen sogar aus Musik, in die die stimulierenden Klänge eingearbeitet sind.

Voraussetzungen


Die Wirksamkeit Binauraler Beats ist von weiteren Parametern abhängig: Dem Willen und der Bereitschaft, sich auf das Erlebnis einzulassen, dem Glauben an die Wirksamkeit, der Einstellung hinsichtlich der Binaural Beats und der momentanen Stimmung [1], [7]. Zur Unterstützung des Prozesses werden Entspannungstechniken, Visualisierungen und Affirmationen verwendet. 
Reizreduzierung wie ein dunkler Raum kann den Effekt noch weiter verstärken.

Forschungen und Ergebnisse


Die Forschungslage ist ein wenig unklar und die Wirksamkeit ist umstritten.
Während einige Studien sehr positive Ergebnisse berichten, haben andere Studien keine Wirkung feststellen können.
Das Hören binauraler Klänge im Beta-Bereich führt zu verbesserter Konzentration und Aufmerksamkeit und wird mit verbesserter Stimmung in Verbindung gebracht [3], [11], [12], [13] wie auch einer Steigerung der Gedächtnisleistung [6], [7].
Beats im Alpha-Bereich wie auch im Gamma-Bereich konnten bei einigen Studienteilnehmer das kreative Denken verbessern [10].
Binaural Beats von 40 Hz (Gamma-Bereich) konnten die Aufmerksamkeit während eines Konzentrationstests erhöhen [9].
Unter Narkose halten binaural Beats den Zustand stabil, so dass signifikant weniger Fentanyl benötigt wird, um die Narkose stabil zu halten [4]. Interessant finde ich hier, dass dieser Effekt auftritt, obwohl die Klänge erst gestartet wurden, nachdem der Patient schon das Bewusstsein verloren hatte.
Hinsichtlich Angststörungen kam eine Studie [5] auf Ergebnisse, die auf eine Verbesserung hindeuten, aber statistisch nicht relevant sind. Genaue Ergebnisse sollten zukünftige Forschungen zeigen.

Eine polnische Studie [8] wies statistisch signifikante Änderungen im menschlichen EEG durch die Verwendung von Binaural Beats nach.
Eine spanische Studie [14] konnte nachweisen, dass Probanden, die beim Lernen von Wörtern mit eine Stimulation mit 5 Hz erhielten, sich danach an signifikant mehr Wörter erinnern konnten als die Kontrollgruppen. Diese bekamen entweder eine Scheinstimulation von 13 Hz oder hörten nur ein weißes Rauschen.
Der Effekt von Binaural Beats auf die Performance bei einem Test des räumlich- visuellen Arbeitsgedächtnisses [15] wurde von amerikanischen Forschern im Jahr 2016 untersucht. Eine Stimulation mit einer Frequenz von 15 Hz führte zu einer Verbesserung der Performance und der beteiligten Netzwerke im Gehirn. Eine Stimulation mit Frequenzen von 5 und 10 Hz führten jedoch zu einer Verschlechterung der Leistung.

Meine eigenen Erlebnisse:


Jetzt ist  natürlich die große Frage: Funktioniert das alles auch in der Praxis?
Also, irgendwas passiert schon, aber was, das kann ich nicht sagen.
Ich habe jetzt glaube ich schon über 300€ für Binaurals ausgegeben (wobei da die Gateway-Experience-Serie von Robert Monroe mit 180€ oder so zu Buche schlägt).
Mein Problem war allerdings immer der Schlafentzug während der monophasischen Zeit. Sofort als ein Grad der Entspannung erreicht war, war ich auch schon am Ratzen und bin recht zuverlässig zum Ende der CD wieder aufgewacht. Während dessen hatte ich einige interessante hypnagoge Episoden bis hin zu klaren Traumfetzen, wobei ich nicht weiß, ob ich die nicht auch so bekommen hätte.
Nur in den Zeiten, in denen ich ausreichend Schlaf in der Nacht hatte und die CDs auch nicht im Liegen, sondern im Sitzen gehört habe, zeigte sich eine eindeutige Wirkung.
Und dann erst nach einer Übungszeit von ca. 20 Sitzungen konnte ich die Klänge reiten, also mich von den Klängen wegtragen lassen. Für mich war auf jeden Fall das Zulassen die Herausforderung und die Lernaufgabe.

Aber einen Klartraum oder eine OOBE, die sich direkt auf das Hören einer der CDs zurückführen ließe, hatte ich noch nicht.

Literatur:


[1]  Inducing Altered States of Consciousness with Binaural Beat Technology
[2] Binaural-Beat Induced Theta EEG Activity and Hypnotic Susceptibility
[3] Binaural Auditory Beats Affect Vigilance Performance and Mood
[4] Hemispheric-synchronisation during anaesthesia: a double-blind randomised trial using audiotapes for intra-operative nociception control
[5] Use of binaural beat tapes for treatment of anxiety: a pilot study of tape preference and outcomes.
[6] An Empirical Investigation Into the Effect of Beta Frequency Binaural-beat Audio Signals on Four Measures of Human Memory
[7] Accessing Anomalous States of Consciousness with a Binaural Beat Technology
Dave Siever über Binaural und Isochronic Beats
[8] Influence of Binaural Beats on EEG Signal
[9]More attentional focusing through binaural beats: evidence from the global-local task.
[10] The impact of binaural beats on creativity.
[11] The effect of binaural beats on verbal working memory and cortical connectivity.
[12] More attentional focusing through binaural beats: evidence from the global–local Task
[13] Analysis of EEG activity in response to binaural beats with different frequencies.
[14] Impact of auditory stimulation at a frequency of 5 Hz in verbal Memory.
[15] The Effect of Binaural Beats on Visuospatial Working Memory and Cortical Connectivity.





Interessante Bücher zum Thema:


Nur in deinem Kopf - Das Update für Geist und Gehirn von Arvid Leigh
Far Journeys von Robert Monroe

Siehe auch:

Binaural Beats II: Kostenlose Downloads
Binaural Beats III: Binaural Beats selbst erstellen
Binaural Beats IV: Erfahrungsbericht Mega Brain Zones von Michael Hutchison
Binaural Beats V: Kostenlose Downloads
Binaural Beats VI: Audiovisuelle Videos bei Youtube
Binaural Beats VII: Neurosoups Tipps für Binaural Beats

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