Freitag, 7. Oktober 2011

Der Ganzfeld-Effekt

 

Frau mit halben Tischtennisbällen auf den Augen und Kopfhörern auf den Ohren
[1]

Eine recht preiswerte und einfache Möglichkeit, sein Bewusstsein zu verändern und in innere Räume abzutauchen ist der Ganzfeld-Effekt. Hierbei nutzt man den Effekt des visuellen und akustischen Reizentzuges, um außergewöhnliche Bewusstseinszustände zu erzeugen.

Dafür werden die Augen  mit halbierten Tischtennisbällen abgedeckt, so dass man mit offenen Augen nur eine homogene weiße Fläche über dem gesamten Sichtfeld sieht (ein sogenanntes Ganzfeld). Über Kopfhörer hört man ein kontinuierliches weißes, pinkes oder braunes Rauschen, das alle akustischen Eindrücke von außen überlagert. Nach einiger Zeit wird es vom Gehirn einfach ausgeblendet und es entsteht der Eindruck, einfach gar nichts zu hören.
Dadurch, dass das Gehirn deutlich weniger Reize als im Normalzustand aufnimmt und verarbeitet, reagiert es der verstärkten Ausschüttung verschiedener Neurotransmitter, z.B. Noradrenalin und körpereigenen Psychedelika ( siehe: Joseph Zehentbauer - körpereigene Drogen).

Die Wirkung des Ganzfeldes unterscheidet sich zu der von chemischen Drogen dadurch, dass der Effekt besser zu steuern ist. Um das Experiment zu beenden muss man lediglich die Kopfhörer und die Brille abnehmen. Die Wirkung ist am Anfang auch deutlich milder und kann mit zunehmender Erfahrung intensiver werden. Der Reisende kann selbst entscheiden, ob er sich tiefer auf das Erlebnis einlassen möchte oder ob er an der Oberfläche bleiben will.

Der Vorgang:
Mit den Tischtennisbällen auf den Augen und den Kopfhörern auf den Ohren wendet man seinen Blick in Richtung einer roten Lampe, so dass man nur ein endlos weiß-rotes Feld sieht und das Rauschen hört. Nach einiger Zeit kann man erste Effekte bemerken, etwa innere Bilder zu sehen. Auch andere Effekte können auftreten: hinter dem Rauschen kann Musik oder ein Flüstern gehört werden oder man kann seinen Körper auf eine vollkommen neue Art erleben.
Die Angaben, bis diese Effekte auftreten, variieren dabei von fünf bis 30 Minuten. Manche brauchen auch einige Versuche Anlauf, bis sie nennenswerte Erfolge haben.

Die Ganzfeld-Brille:
Pingpongbälle bekommt man in jedem größeren Supermarkt oder Sportgeschäft (z.B. sechs Stück für 2,29€ bei Real). Mit einem scharfen Messer kann man sie gut an der Naht halbieren. Mit einer scharfen Schere (z.B. einer Nagelschere) müssen noch einige Feinanpassungen gemacht werden, damit die Bälle die Augen wirklich komplett bedecken. Scharfe Kanten rundet man mit Schleifpapier ab. Die Form ist hier sehr gut zu sehen. Als Alternative empfiehlt der Blogger Lincomatic, eine ausreichend große Schwimmbrille mit Frosting Spray zu undurchsichtig zu machen. Diese Methode ist natürlich noch komfortabler wenn auch aufwändiger.

Das weiße Rauschen:
Die Rauschformen kann man sich beispielsweise unter  www.iso-tones.com  oder Youtube herunterladen oder einfach mit Audacity erstellen oder einen Online-Noise-Generator nutzen. Andere Quellen empfehlen, bei einem Radio einfach die Frequenz zu verstellen, womit ich persönlich weniger gute Erfahrungen gemacht habe. Man bekommt hierbei einfach kein reines Rauschen sondern hat immer mal wieder Musikfetzen oder pulsierende Geräusche drin.
Geld braucht man für das Rauschen jedenfalls nicht auszugeben.
Je besser die Kopfhörer, die man zum Ganzfelden verwendet, die Umgebungsgeräusche abschirmen, um so leiser kann man das Rauschen einstellen. Zu lautes weißes Rauschen kann unangenehm für die Ohren sein.


Das rote Licht
Für das rote Licht muss man wohl etwas experimentieren. Im Baumarkt oder in den meisten Online-Versandhäusern gibt es LED-Farbverlaufslampen mit Fernsteuerung, die sich hierfür gut eignen. Oder man verwendet einen Deckenfluter, der mit etwas Transparentpapier aus dem Bastelladen angepasst wird (Achtung: eventuell Brandgefahr). Möglicherweise tut ein Bildschirm mit rotem Vollbild auch gute Dienste. Hierfür gibt es sogar genau getimte Videos inclusive Rauschen mit einem Wecksignal am Ende.  
Auf keinen Fall sollte man eine Rotlichtlampe verwenden, da die Infrarotstrahlen die Augen schädigen! [siehe Wikipedia]
Andere Anleitungen schreiben davon, die Pingpongbälle rot anzumalen. Ich bevorzuge die Variante mit dem roten Licht, da durch die Farbe auf den Bällen Streifen entstehen können und man kein wirkliches Ganzfeld mehr hat.
Erlebnisse und Erfahrungsberichte
In der Parapsychologie wird dieser Effekt angewendet, um Telepathie zu erforschen. [2],[3]
Hierauf möchte ich nicht weiter eingehen, da ich die anderen Anwendungen wie die Reise in innere Räume interessanter finde. Die Universität Freiburt führte im Jahre 2002 eine Studie zum Ganzfeld-Effekt durch. Die Berichte stammen von Versuchsteilnehmern.
It was almost like running a bob sleigh on an uneven runway right down… it was snow or maybe water, going down… I could hear music, that is, from the left side below, there was music coming. 
Es war fast wie wenn man mit einem Schlitten ein unebene Piste hinabfährt. Es war Schnee oder vielleicht Wasser, das da herablief... ich konnte Musik hören... von links unten kam Musil.
I was sitting in a closet and counting leaves. ‖ White leaves. ‖ It was like a… like a closet, a side-room to deposit things, or… something about an office room, and I had to count lots of leaves, and I was sitting on a paper box, like a packing case box. And then somebody said: ‘Turn the water off’. 
Ich saß in einem Wandschrank und zählte Blätter, weiße Blätter. Es war wie ein Wandschrank oder ein Abstellraum oder... wie ein Büroraum und ich musste viele Blätter zählen und ich saß auf einer Papierbox, wie eine Versandkiste. Und dann sagte jemand: "Dreh das Wasser ab!"
I could see a kind of pipeline, water pipeline, the pipes were half open, and there was… in place of water there was banana milk flowing out, with banana slices, many many slices on the milk surface…
Ich sah eine Art Rohr, wie ein Wasserrohr. Die Rohre waren halb offen, statt Wasser floss aber Bananenmilch heraus, mit Bananenscheiben... Viele Bananenscheiben auf der Milchoberfläche.
Mit etwas Erfahrung kann man den Ganzfeldeffekt auch mit anderen Methoden wie Meditation, Suggestionen, dem Traumschuudan oder Binaural Beats verbinden. 
 
Anwendungen
Allein die bewusstseinsverändernde Wirkung kann schon Grund genug sein, das Ganzfeld-Experiment durchzuführen.
Von Leonardo Da Vinci ist überliefert, dass er eine sehr ähnliche Methode verwendet hat, um seine Kreativität anzukurbeln: Er blickte auf eine unebene Wand und erreichte dadurch sehr ähnliche Effekte wie sie auch bei den Ganzfeld-Versuchen auftreten.
Siehe auch:

Zum Ganzfeldeffekt allgemein:

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