Sonntag, 16. Oktober 2011

Trauminkubation

Unter Trauminkubation versteht man im weitesten Sinne die Beeinflussung des Trauminhaltes durch den Träumer. Inkubation stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie 'liegen auf' oder 'ausbrüten' und findet sich auch in so schönen Wörtern wie 'Inkubationszeit'.

Die heutige Technik der Trauminkubation ähnelt der sogenannten Enkoimesis aus dem antiken Griechenland. Bei diesem "heilenden Tempelschlaf" übernachtete der Ratsuchende oder Kranke in einem Tempel eines bestimmten Gottes und hoffte, im Traum Informationen über die Krankheit und deren Heilung zu bekommen.
Schade irgendwie, dass diese Methode nicht vom Christentum adaptiert wurde.

    Themen

Die heutige Anwendung der Trauminkubation ist deutlich weiter gefächert. Man kann rein hedonistische, also der Unterhaltung dienende bis spirituelle oder psychologische Ziele verfolgen. Die Träume können zu verschiedensten Themen befragt und um Rat gebeten werden:
Persönliche Anliegen, wie die Frage, wie man sich in einer Beziehung verhalten soll, ob man eine zukünftige Arbeitsstelle annehmen soll oder auch, wo der nächste Urlaub verbracht werden kann. Genauso spricht meiner Meinung nach nichts dagegen, diese Technik für reine Unterhaltungszwecke einzusetzen. (If you know what I mean)

Wenn man ein gewisses Traumthema mit der Klarheit im Traum verbindet, kann diese Technik auch erfolgreich zum Erzeugen klarer Träume verwendet werden.

    Die Vorgehensweise

Michael Patrick Kepe bietet das meiner Meinung nach ausgefeilteste Programm zur bewussten Einflussnahme auf den Trauminhalt. Auf seiner Homepage  beschreibt er sechs Schritte zur Inkubation eines Traumes.


1. Kennenlernen des alltäglichen Phänomens der Trauminkubation
Diesen Schritt finde ich etwas kryptisch erklärt.
Ich verstehe es so: In diesem schritt versucht man, die Mechanismen seiner Träume zu verstehen. Wann tritt ein Erlebnis im Traum auf? Träumt man sofort von einem Erlebnis oder erst nach einer gewissen Zeit? Oder träumt man immer von allem, was man erlebt hat?
Gibt es gewisse Zeiten, in denen man häufiger von seinem Alltag träumt?
All das wird in diesem Schritt beobachtet.

2. Feststellen eines gegenwärtig relevanten Themas
Das Thema, von dem man träumen möchte, also weshalb man eigentlich die Trauminkubation machen will.
Es sollte für Anfänger möglichst konkret gehalten werden und auch eine gewisse Relevanz aufweisen.

3. Wachbewußte Auseinandersetzung und Beschäftigung damit
Mit dem jetzt gewählten Thema beschäftigt man sich im Wachleben. Sei es in Form von Nachdenken, Ideensammeln, Wunschträumen, Brainstorming oder ganz anderen Methoden und Ansätzen. Wichtig ist die bewusste Entscheidung, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

4. Präzisierung und Formulierung in der Einschlafphase
Nun geht es darum, das Thema zu konkretisieren. Man schläft sozusagen mit der Frage oder der Bitte um Anregungen zu diesem Thema im Hinterkopf ein. Stephen LaBerge empfiehlt, sich die Situation, von der man träumen möchte, möglichst bildhaft während des Einschlafens oder nach einem Erwachen in der Nacht vorzustellen. Paul Tholey schreibt, man solle mit der Absicht, einen klaren Traum zu haben, einschlafen.

5. Geduld und Ausdauer über die nächsten Tage hinweg
Kepe empfiehlt, mindestens einige Tage bis eine Woche an einem Thema zu bleiben, bis man sich einem anderen zuwendet. Christoph Gassman schreibt sogar von mehreren Wochen.

6. Nachbearbeitung und wenn möglich praktische Umsetzung
Nun geht es darum, die erinnerten Träume auszuwerten. Das gilt natürlich nur für Träume, in denen um Rat gefragt wurde.


Literatur und Quellen

Trauminkubation im Wikibook Klartraum

Anleitung zur Trauminkubation von Christoph Gassmann aka Fiodra

Anleitung zur Trauminkubation von Michael Patrick Kepe

Fingerzeige des Schicksals: Traum, Zufall und Imagination von Robert Moss

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