Montag, 13. Februar 2012

Klartraum-FAQ I: Sind Klarträume wissenschaftlich erwiesen?

1.1. Gibt es Klarträume wirklich?
Ja
1.2 Wirklich?
JAA-HAA!
1.3. Ist es nicht wissenschaftlich erwiesen, dass man sich während des Träumens nicht bewusst sein kann, dass man träumt?
Nein. 
Meiner Erfahrung nach haben die meisten Leute, die mit Vokabeln wie 'wissenschaftlich erwiesen' oder Ähnlichem um sich werfen, in den meisten Fällen weder Ahnung vom wissenschaftlichen Arbeiten noch von der aktuellen Forschungslage.

Der Beweis, dass klare Träume existieren, gelang es Keith Hearne und Alan Worsley im Jahre 1978: Die Träumer sollten, sobald sie im Traum klar wurden, ein vorher vereinbartes Zeichen mit den Augen ausführen. Sobald sie merkten, dass sie träumten, blickten sie vier mal schnell nach links und rechts. Das ist auf dem Elektrookulogramm im Schlaflabor eindeutig zu erkennen.

Die Tatsache, dass geträumte Augenbewegungen im Großen und Ganzen mit den Bewegungen der Augen des realen Körpers übereinstimmen, ermöglichte weitere Untersuchungen.
Daniel Erlacher konnte nachweisen, dass geträumte sportliche Aktivitäten eine Erhöhung der Herzfrequenz im Körper des Träumers zur Folge haben. Auch in diesem Versuch wurden die Augensignale genutzt, um den Anfang und das Ende der sportlichen Anstrengung zu markieren.

Die Frage ist natürlich, wann man etwas als wissenschaftlich erwiesen ansehen kann.
Grob würde ich sagen, etwas sei erwiesen, wenn es in einem großen Fachbuch oder Journal veröffentlicht wird.  Im Kapitel über Träume im Buch Psychologie von Philip G. Zimbardo, das auch als Lehrbuch im Psychologiestudium verwendet wird,  wird die Existenz von klaren bzw. luziden Träumen im Kapitel 6.4 kurz angerissen.
Auch die Veröffentlichung über ein Thema in einem Journal, etwa dem 'Journal of Consulting Psychology' weist auf wissenschaftliche Seriosität hin. Die meisten Journals veröffentlichen peer-reviewed, was bedeutet, dass der  vom Forscher eingereichte Artikel vor der Veröffentlichung von Kollegen aus dem gleichen Fachgebiet gegengelesen wird. So werden mangelhafte Studien ausgeschlossen oder zumindest deutlich reduziert. 
Eine Stelle, um nach reviewed papers zu suchen wäre auf diesem Gebiet Pubmed. Nach Eingabe des Suchwortes 'lucid dreaming' finden wir 51 Veröffentlichungen etwa 'lucid dreaming as a treatment for recurrennt nightmares'.
Auch die Max-Planck-Gesellschaft hat am Thema 'Klartraum' geforscht und kam zu folgenden Schlüssen: 

Es gibt allerdings Personen, sogenannte luzide Träumer, die sich im Schlaf bewusst werden können, dass sie träumen. Untersuchungen im Magnet-Resonanz-Tomografen (MRT) konnten nun zeigen, dass beim Erlangen dieses luziden Bewusstseins die Aktivierung eines spezifischen kortikalen Netzwerkes nachweisbar wird, bestehend aus dem rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex, den frontopolaren Regionen und dem Precuneus. Alle diese Regionen werden mit selbstreflektorischen Funktionen in Zusammenhang gebracht.
 1.4. Wenn Klarträume doch nachgewiesen sind, warum werden sie dann nicht zur Bekämpfung von Albträumen eingesetzt?
Werden sie doch. Wobei ich gestehen muss, dass ich keine Ahnung habe, wie viele Psychotherapeuten die Klarträume für diesen Zweck nutzen oder wie viele Menschen sich wegen ihrer Albträume in Behandlung geben. 
 Noch ein kleiner Auszug, was Pubmed so zu bieten hat:
  • Lucid dreaming treatment for nightmares: a pilot study.[1]Lucid dreaming treatment for nightmares: a pilot study,Spoormaker VI, van den Bout J. ,Psychother Psychosom. 2006;75(6):389-94.
  • Multimodal behavioral treatment of nonrepetitive, treatment-resistant nightmares: a case report.[2]Tanner BA.,Percept Mot Skills. 2004 Dec;99(3 Pt 2):1139-46.
  • Lucid dreaming as a treatment for recurrent nightmares[3]Zadra AL, Pihl RO.,Psychother Psychosom. 1997;66(1):50-5.
  • The nightmare of returning home: a case of acute onset nightmare disorder treated by lucid dreaming.[4] Abramovitch H.,Isr J Psychiatry Relat Sci. 1995;32(2):140-5.
  • Nightmares in crisis: clinical applications of lucid dreaming techniques.[5] Brylowski A.,Psychiatr J Univ Ott. 1990 Jun;15(2):79-84.

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