Dienstag, 28. Februar 2012

Klartraum-FAQ II: Wozu träumen wir ?

2.1: Wozu träumen

Gute Frage. Wikipedia führt einige Thesen an, etwa, dass der REM-Schlaf eine Art Gehirnreifungsfunktion  darstellt oder der Verarbeitung und Lösung von Problemen aus dem Wachleben, kommt jedoch zum Schluss, dass es unter Neurophysiologen keine allgemein anerkannte Hypothese zur Funktion des Traumes und des REM-Schlafs gibt.

Prof. Dr. Michael Schredl führt in seinem Buch "Träume - unser nächtliches Kopfkino" zwölf unterschiedliche Hypothesen und Theorien auf:

1. Pylogenetisches Überbleibsel ohne Funktion
2. Träume als Epiphänomen
Einige Forscher sehen das Träumen als bedeutungsloses Beiprodukt des Schlafes an.
3. Reifungsprozesse im Gehirn
Durch die Aktivierung des Gehirns können während des Schlafes Verbindungen zwischen Nervenzellen geschaffen werden. 
4. Programmierung
Diese Theorie nimmt an, dass das Gehirn wie ein Computer heruntergefahren wird und die Software aktualisiert wird.
5. Hüter des Schlafs
Sigmund Freud nahm an, dass der Traum die Impulse aus dem Unbewussten, die den Schlafenden aufwecken würden, so abwandelt, dass der Träumer nicht geweckt wird
6. Kompensationsfunktion
Carl Gustav Jung nahm an, dass der Traum die Einseitigkeit des Wachlebens ausgleichen soll. 
7. Reinigungshypothese
Francis Grick und Graeme Mitchinson vermuteten, dass es sich bei Träumen um eine Art Löschprogramm im Gehirn handelt, bei dem unerwünschte Nervenverbindungen noch einmal aktiviert werden und dann gelöscht werden. Dieser Ansatz ist empirisch nicht gestützt und eine reine Spekulation. 
8. Mastery-Hypothese
Janet Wright und David Koulack gehen davon aus, dass der Traum (wie ein Nachdenken im Wachen) zur Problemlösung dient. 
9. Stimmungsregulierung
Milton Kramer vermutet, dass Träume zur emotionalen Verarbeitung dienen. 
10. Systematische Desensibilisierung
Michael Perlis und Tore Nielsen haben die Theorie entwickelt, dass Träume dazu dienen, Angst zu "verlernen" und bedrohlichen Erinnerungen nach und nach ihren Schrecken zu nehmen.
11. Bedrohungs-Simulations-Theorie
Antti Revonsuo geht genau vom Gegenteil aus: Durch das wiederholte Durchspielen von bedrohlichen Situationen soll der Träumer besser auf Bedrohungen im Wachleben vorbereitet werden.
12. Protoconsciousness-Theorie
J. Allan Hobson sieht den Traum als Übungsfeld für das Wachbewusstsein an. 
Aus: Träume - unser nächtliches Kopfkino, S.317ff.

Fest steht, dass fast alle Säugetiere träumen und dass der Traum wohl irgendeine Funktion zu erfüllen scheint. Im Buch 'Katzen' von Dr. Bruce Fogle, (Dorling-Kindersley 2006) findet sich folgendes Zitat:
"Schlafende Katzen zucken in der aktiven oder REM-Phase mit den Pfoten, bewegen Schnurrhaare oder Schwanz und lassen zuweilen ein leises Knurren oder Schnattern hören. Da das Katzenhirn im Tiefschlaf genau so aktiv ist wie im Wachzusand, liegt der Schluss nahe, dass Katzen in dieser Schlafphase geenauso träumen wie wir Menschen. Katzen schlafen im Durchschnitt 18 Stunden pro Tag. Man nimmt an, dass sie in dieser Zeit 'für den Ernstfall proben, indem sie ihren Kampf-oder-Flucht-Refle trainieren. "

Ich finde diese These ziemlich plausibel. In eine ähnliche Kerbe schlägt Patricia Garfield in 'Kreativ träumen':
Zwei amerikanische Forscher, Carolyn Winget und Frederic Kapp, untersuchten den Zusammenhang zwischen Traum und Geburt. Sie erfassten in der Untersuchung 70 Frauen, die vor ihrer ersten Geburt standen und analysierten die von ihnen berichteten Trauminhalte (d.h. die Bilder, die in den Träumen auftraten). [...]

Winget und Kapp stellten fest, dass der Inhalt der Träume einer Frau während der Schwangerschaft in einem direkten Zusammenhang zur  Zeitdauer der Entbindung steht: Frauen mit unterdurchschnittlicher Entbindungsdauer (weniger als zehn Stunden) hatten in über 80% der mitgeteilten Träume von Angst berichtet, Frauen, die überdurchschnittlich lange Zeit (mehr als 20 Stunden) hatten nur in 25% ihrer Träume Angst. [...] Wenn eine hochschwangere Frau [...] von ihrer bevorstehenden schweren Prüfung träumt, dann bereitet sie sich in Wirklichkeit darauf vor, sie gut zu bestehen. Winget und Kapp meinen, dass diese Träume dazu dienen, eine Stress-Situation des wachen Lebens schon vorher in der Phantasie zu bewältigen. 
 Zu ähnlichen Schlüssen ist auch der finnische Psychologe Antti Revonsuo gekommen:  Er vermutet ebenfalls, dass der Mensch sich im Albtraum vorwiegend auf Gefahrensituationen oder auch in geringerem Maße auf positive Ereignisse vorbereitet.

Siehe auch:

Hirnforschung: Ratten planen Zukunft im Traum

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