Dienstag, 7. Februar 2012

Traumarbeit: Das Zwiegespräch mit den Traumfiguren

Strephon Kaplan Williams stellt in dem mehrmals erwähnten Buch "Durch Traumarbeit zum eigenen Selbst" eine weitere interessante Methode vor, über seine Träume einen intensiveren Kontakt zu seinem Inneren herzustellen:

Den Dialog mit Traumfiguren:

Er bezeichnet den Dialog sogar als eine der "wichtigsten Techniken seiner Jung-Senoi-Traumarbeit"[1]. Obwohl die Technik sehr wenig Zeit benötigt, so liefert sie doch immer wieder neue Erkenntnisse über den Traum und den Träumer. Meistens sind neben der Zeit, die man für das Aufschreiben des Traums benötigt, nur ein paar Minuten vonnöten.

Bei dieser Technik führt das Ich einen Dialog mit einer Traumgestalt oder mit irgendetwas aus dem Traum. Der gewählte Gesprächspartner muss nicht zwingend ein Mensch sein, es kann auch ein Tier, ein Gegenstand, eine Handlung oder gar der Traum selbst sein. Es ist sinnig, für das Gespräch etwas zu wählen, zu dem man sich etwa besonders hingezogen fühlt oder gerade im Gegenteil besonders abgestoßen.

Durch das Gespräch hat das Ich die Möglichkeit, verdrängte oder ungesehene Teile seiner Persönlichkeit wieder wahrzunehmen und zu integrieren um so ein Stück Ganzheit wiederzugewinnen.
Paul Tholey hat in der Klarträumerbibel 'Schöpferisch Träumen' eine ähnliche Technik vorgestellt, um mit aggressiven Traumfiguren umzugehen und berichtet wirklich von beeindruckenden Erfolgen. Auch er empfiehlt, einen Dialog mit unangenehmen Traumgestalten, um wirklich interessante Einblicke zu bekommen.

Glücklicherweise muss man nicht erst zum versierten Klarträumer werden, um ähnliche Erfolge zu bekommen. Der Dialog kann auch im entspannten Wachzustand durchgeführt werden, indem man einfach die Augen schließt und den gewünschten Gesprächspartner visualisiert.

Vorher sollte man kurz die wichtigsten Probleme des Traums feststellen und wenn man sich bereit fühlt, kann man mit dem Gespräch beginnen. Um die Konversation ins Laufen zu bringen, schlägt Tholey als Klarträumer ganz ähnlich wie Williams Fragen vor wie:
  • Wer bist du?
  • Was willst du von mir? Was kann ich für dich tun?
  • Was möchtest du mich fragen?
Nun geht es darum, ein fließendes Gespräch mit der gewählten Figur aufkommenzulassen. Wichtig ist dabei, nach dem Stellen der Frage das Ich tatsächlich einen Schritt zurückzutreten und die Antworten fließen zu lassen und auch zu akzeptieren.
Am Anfang weiß man manchmal nicht, ob die Antworten jetzt tatsächlich aus den Tiefen des Unbewussten aufsteigen oder ob man sie sich selbst zurechtlegt.
Mit einiger Übung bekommt man ein Gefühl dafür, die Antworten tatsächlich frei und entspannt fließenlassen zu können.
Spätestens wenn man Sachen zu hören bekommt, die man eigentlich nicht hören will, weiß man, das tatsächlich neue Informationen aus dem Unbewussten kommen und man Kontakt mit einem verdrängten Teil aufnimmt.
Zum Ende des Gespräches kann man die Traumgestalt um eine Aufgabe für zukünftige Träume oder für das Wachleben bitten.

Während des Gesprächs sollten die Fragen und Antworten hin und wieder aufgeschrieben werden. Manchmal empfiehlt es sich sogar nach jeder Antwort der Traumfigur das Erlebte aufzuschreiben.
Man vermeidet dadurch,  zu viel über die Antworten nachzudenken und jetzt schon zu analysieren. Weil man das Gespräch aufzeichnet, erleichtert man sich die Auswertung am Ende.

Wenn man zu einem befriedigenden Ende gekommen ist oder sich erschöpft fühlt, kann man zur Auswertung übergehen.
Idealerweise macht man diese Auswertung schriftlich:
Nachdem man sich das mitgeschriebene Gespräch noch einmal durchgelesen hat, und alle aufkommenden Gefühle zugelassen und in sich aufgesogen hat, kann man sich schriftlich noch weitere Fragen stellen wie:
  • Was hat mich bewegt?
  • Habe ich neue Einsichten gewonnen?
  • Wie habe ich mich als Dialogpartner verhalten?
  • Sehe ich den Traum nach diesem Dialog anders?
  • Wie kann ich das Gelernte im Leben umsetzen?

[1] Strephon Kaplan Williams: Durch Traumarbeit zum eigenen Selbst, Ansata-Verlag Interlaken, 1984, S. 131

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