Dienstag, 3. Juli 2012

Hypnose und Klarträume

Das Wort Hypnose kommt aus dem griechischen und ist nach Hypnos, dem Gott des Schlafes benannt. Hypnose bezeichnet einen veränderten Bewusstseinszustand, der hypnotischen Trance, in dem der Hypnotisand für verschiedene Suggestionen offen ist.
Hypnose wird zu vielen Zwecken eingesetzt, von der Raucherentwöhnung bis hin zu Depressionen, von mehr Spaß beim Sex bis hin zur Steigerung des Selbstwertgefühls.


Aber Funktioniert Hypnose wirklich?


Verschiedenste Tonträger mit hypnotischen Texten werden oft recht marktschreierisch mit den vollmundigsten Versprechungen angepriesen. Aber gibt es wirklich dokumentierte Erfolge?
Im Buch 'Psychologie' von Philip G. Zimbardo, einem Standardwerk für Psychologiestudenten, wird als Anwendungsbereich für klinische bzw. therapeutische Hypnose unter anderem die Schmerzkontrolle genannt. [Zimbardo, s. 229]
Michael Murphy zählt in 'The Future of the Body' einige weitere Anwendungen auf, von der Heilung gewisser Krankheiten mit psychischer Komponente wie Warzen und Herpes [pp. 332]  über Änderungen im Körper [pp.336] wie der Temperatur der Haut oder Änderungen in der Wahrnehmung und beim Lernen. Eine Studie aus dem Jahr 2014 konnte zeigen, dass durch hypnotische Suggestion der Anteil an Tiefschlaf in einem 90-minütigen Nickerchen um 81% gesteigert und die Einschlafdauer um 67% reduziert werden konnte.


Hypnotisierbarkeit


Als Hypnotisierbarkeit bezeichnet man die Fähigkeit, sich einer Erfahrung völlig hinzugeben. Hypnotisierbarkeit ist ein relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal, das zu einem gewissen Grad vererbt ist. [Zimbardo, s. 227]. Einige Studien zeigen, dass die hypnotische Suggestibilität durch Methoden wie der progressiven Muskelentspannung gesteigert werden kann.
Ca. 40% der Menschen sind niedrig hypnotisierbar, 20% stark und ca. 10% sehr stark, wobei weniger die Fähigkeit des Hypnotiseurs als die Hypnotisierbarkeit des Klienten die Tiefe der Hypnose beeinflusst.


Hypnose und (Klar)Träume


Nun ist die Frage, ob man die Hypnose auch zum Klarträumen nutzen kann. Können durch Hypnose klare Träume häufiger und länger werden?


Klarheit:


Joseph H. Dane und Robert van der Castle verglichen die Klartraumhäufigkeit bei 30 Frauen, die keine Vorerfahrung mit dem Klarträumen hatten. Alle Teilnehmerinnen waren sehr gut hypnotisierbar.
Es zeigte sich, dass die Mitglieder der Gruppen, bei denen eine Anleitung zum Klarträumen mit posthypnotischer Suggestion verknüpft war, im Verlauf der Studie zusammen 33 Mal Klarträume durch Augenbewegungen anzeigen und nach dem Wecken einen Bericht darüber abgeben konnten.
Die Mitglieder der Gruppen, die lediglich Anleitungen zum Klarträumen vor der Studie bekommen haben, hatten zusammen 15 Klarträume.
Die Klarträume bzw. die klaren Episoden waren in der Hypnosegruppen länger als bei den anderen Gruppen.

Interessanterweise zielte der Inhalt der Hypnose darauf, den Inhalt der Träume so zu beeinflussen, dass ein Symbol im Traum auftaucht, anhand dessen die Probandin den Traum erkennt.


Trauminhalt:


Charles Tart zitiert einige Studien, die ebenfalls nachweisen konnten, dass duch Hypnose der Trauminhalt ihrer Probanden verändert bzw. beeinflusst werden konnte (Stoyva 1961), wobei das genaue Ausmaß, wie stark der Trauminhalt beeinflusst wurde, von der jeweiligen Person abhing.
Tart selbst führte ebenfalls Untersuchungen zur Beeinflussung des Trauminhalts durch, was ihm bei stark hypnotisierbaren Personen gelang. Von zehn Probanden bauten 50% der Teilnehmer das suggerierte Thema in ihren Traum mit ein. Allerdings wurden nur zwei Sitzungen durchgeführt.

Ebenfalls führte er Versuche durch, die die Art des Träumens durch Hypnose beeinflussen sollten. Suggestionen wie 'Erwache am Ende einer Traumphase!' oder 'Erwache am Anfang einer Traumphase' zeigten gute Erfolge.
Die Suggestion 'Träume überhaupt nicht!' zeigte garkeine Wirkung, jedoch die Suggestion 'Träume die ganze Nacht!' zeigte eine signifikante Verlängerung der REM-Phasen um 21% bei einem Teilnehmer (von zweien).
Tart vergleicht das mit den Ergebnissen einer weiteren Studie von Rechtschaffen und Verdone (1964), die einen ähnlich starken Effekt berichteten. Sie boten ihren Teilnehmern Geld dafür, wenn sie ihre Traumphasen verlängern konnten.
Die Autoren der oben zitierten Studien verwendeten für ihre Versuche sehr stark hypnotisierbare Testpersonen, jedoch eine geringe Anzahl von Versuchen. Möglicherweise können auch weniger gut hypnotisierbare Träumer von der Wirkung der Hypnose profitieren indem sie einfach mehrere Hypnosesitzungen durchlaufen.

Es durchaus möglich, dass Träumer von den erhältlichen CDs und MP3s profitieren können. Leider ist mir über die Wirksamkeit der meisten Tonträger wenig bekannt. Einzig die MP3s von Inferno07, die kostenlos in der Datenbank des Klartraum-Wikis heruntergeladen werden können, haben sehr viele positive Kommentare und Erfahrungsberichte im Klartraumforum bekommen.


Siehe auch:


A Comparison of waking instruction and posthypnotic suggestion for lucid dream induction
Hypnotic suggestion as a technique for the control of dreaming by Charles Tart
Paul Tholey: TECHNIQUES FOR INDUCING AND MANIPULATING LUCID DREAMS, Perceptual and Motor Skills: Volume 57, Issue , pp. 79-90.
Reed, S.: Reporting biases in hypnosis: Suggestion of compliance? Journal of Abnormal Psychology, 105, pp. 142-145, 1996
Rechtschaffen, A., & Verdone, P. (1964). Amount of drea-ming: effect of incentive, adaptation to laboratory, and indivi-dual differences. Perceptual and Motor Skills, 19, 947-58.
An extended nondrug MDMA-like experience evoked through posthypnotic suggestion.
The Future of the Body bei Amazon.de 
Psychologie von Philip G. Zimbardo bei Amazon.de  
Hypnosis and top-down regulation of consciousness


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen