Sonntag, 9. September 2012

Klartraum-FAQ 4: Ist Klarträumen Realitätsflucht?

Gelegentlich höre ich immer mal die Befürchtung, dass es sich beim Klarträumen um eine Flucht aus der Wachrealität, bzw. um eine Methode der Realitätsflucht handelt. Was bedeutet das eigentlich?
Als Eskapismus, Realitätsflucht oder Wirklichkeitsflucht bezeichnet man die Flucht aus oder vor der realen Welt und das Meiden derselben mit all ihren Anforderungen zugunsten einer Scheinwirklichkeit, d. h. imaginären oder möglichen besseren Wirklichkeit.
...sagt die Wikipedia
Das Schlüsselwort hierbei scheint mir das Meiden der Anforderungen der realen Wirklichkeit.
Möchte man das Klarträumen erlernen, um verschiedenen Anforderungen im Wachleben zu entgehen?

Diese Frage klingt doch ziemlich interessant:
Gibt es Anforderungen im Wachleben, denen ich am liebsten ausweichen möchte? Welchen Anforderungen bin ich schon ausgewichen? Wo hat mich das hingebracht?

Diese Fragen sollte sich wahrscheinlich jeder von Zeit zu Zeit stellen und sich ehrlich selbst beantworten.

Sicherlich gibt es so viele Motivationen, das Klarträumen zu erlernen, wie es Klarträumer selbst gibt. Der eine oder andere beginnt vielleicht aus Neugierde am Phänomen des Klartraums, jemand anderes durch Interesse am eigenen Unbewussten oder einfach, um mal mit der im Wachleben unerreichbaren Traumfrau Sex zu haben.

Ich denke, dass sich das Klarträumen aus mehreren Gründen eher schlecht zur Realitätsflucht eignet.
Erstens muss zum Erlernen des Klarträumens ersteinmal eine nicht zu vernachlässigende Menge an Disziplin und Durchhaltevermögen aufgebracht werden, die jemand, der sich aus eben dieser Realität zurückziehen möchte, sehr wahrscheinlich nicht aufbringen kann oder will.
Außerdem hat Realitätsflucht auch viel mit Verdrängung zu tun. Und Verdrängung wirkt sich sehr negativ auf die Traumerinnerung und somit auf die Klartraumfähigkeit aus. So hat Charles T. Tart etwa herausgefunden, dass Testpersonen,
classified as Sensitizers report recalling dreaming significantly more frequently than those classified as Repressors.

Zweitens wird das Unbewusste sich ebenfalls einmischen. Tief im Inneren wird man wissen, wenn es sich nur ein Rückzug oder eine Flucht vor Problemen im Außen handelt und entweder man bekommt aus diesem Grund keine Klarträume mehr oder man wird wie in einem Traumbericht im Buch 'Schöpferisch Träumen' sehr direkt durch eine Traumfigur darauf hingewiesen, sich doch bitte um Wichtigeres im Leben zu kümmern.
Das Besondere an den Klarträumen liegt meiner Meinung auch darin, dass man gelegentlich Sachen zu hören bekommt, die man nicht hören will.

Celia Green geht in ihrem Buch 'Träume bewusst steuern' kurz auf dieses Thema ein. Die von ihr befragten Klarträumer hatten eher das Erfahrung gemacht, dass ihre Klartraumerlebnisse sie motivierter und positiver machten.

Die Psychologin Ann Faraday beschreibt in "Deine Träume - Schlüssel zur Selbsterkenntnis" folgenden Fall:

Zum Beispiel hatte eine Freundin von mir längere Zeit intensiv mit Träumen gearbeitet und begann, ihre Angelegenheiten in der Außenwelt zu vernachlässigen. Sie wurde nicht etwa in die Sümpfe der unbekannten Seele hinuntergezogen, sondern die Traumerinnerung hörte plötzlich auf. Sie war eindeutig beunruhigt und wandte die Dialogtechnik an,um den Grund herauzufinden, woraufhin sie folgende Antwort von ihren „Träumen“ erhielt: “Du musst dir eine Stellung suchen. Dein Geld ist fast alle und du kannst nicht von der Luft leben, deshalb werden wir wegbleiben, bis du in der Welt wieder Fuß gefasst hast“.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen