Montag, 17. September 2012

Low-Carb, Schlaf und (Klar)Traum

Low Carb bedeutet, in seiner Ernährung den Anteil an Kohlehydraten (Carbohydrates) niedrig zu halten.
Wenn der Körper wenig Kohlehydrate bekommt, dann schaltet er auf Fettverbrennung, die Ketose, um,  weshalb diese Kostform häufig zum Abnehmen verwendet wird.
Als ich das Buch 'Warum macht die Tomate dick?" von Dr. Ulrich Strunz gelesen habe, habe ich diese Ernährungsweise aber aus anderen Gründen ausprobiert: In seinem Buch zitiert er viele Erfahrungsberichte von Leuten, die nach der Ernährungsumstellung plötzlich fitter, stressresistenter, wacher usw. wurden und liefert auch Gründe:
Lässt man bei seiner Ernährung die Kohlehydrate weg, steigt automatisch der Anteil von pflanzlichem oder tiereischem Eiweiß und somit von Aminosäuren in der Nahrung. Die Aminosäure Tyrosin etwa wirkt unter anderem als Baustein für die Schilddrüsenhormone T3 und T4, Glycin erhöht die Aufmerksamkeit und Phenylalanin bildet die Grundlage für die Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin.
Ich habe während dieser Zeit übrigens nicht abgenommen, sondern 8 kg auf mein Idealgewicht von 75 kg zugenommen.

Aber was hat das jetzt mit Schlaf und Träumen zu tun?
Der Sleepwarrior schreibt auf seiner Homepage davon, dass er in Zeiten, in denen er wenige Kohlehydrate zuführt, statt 10 Stunden Schlaf nur noch 6 Stunden benötigt führt weitere Erfahrungsberichte an:

My personal experiences have the same results: When I am more ketogenic, I sleep less — like I mention in The Power Sleep Program, I generally need 6 hours or less per day, quite different from the 10+ I needed several years ago when I was less concerned about what I put in my body.  [...]
Ketosis might be worth trying if you want a bit of extra mental clarity and/or reduced sleep need. Of course, these benefits might only appear after a week on the diet.
Dr. Pauline Harding  liefert auch einen Grund dafür:
Ein erhöhter Cortisolspiegel am Abend führt dazu, dass die REM-Phasen gestört werden und man, egal wie lange man schläft, unausgeruht und unerholt aufwacht.
Und eine Mahlzeit mit einem hohen Glykämischen Index, also vielen kurzkettigen Kohlehydraten, lässt den Cortisolspiegel für die nächsten 5 Stunden sehr stark ansteigen. Noch stärker steigt der Cortisolspiegel allerdings, wenn man eine Mahlzeit auslässt.

Zum Thema Träume und Klarträume scheiden sich allerdings die Geister: 

Im Dreamviews-Forum gibt es einen Thread, in der ein User ganz begeistert von der oneirogenen Wirkung seiner kohlehydratarmen Atkins-Diät berichtet:

I feel like I can fly, I have a lot more energy. My dreams have increased in detail, vividness and recall too. My LD's have increased in frequency, quality and duration including WILDs. I sleep better too.
The nutrients in the vegetables you start to eat more of, probably help a lot too. As do various things you can eat eventually in the diet, including cheese (though you are not supposed to exaggerate on that, just 4oz a day), nuts, sunflower seeds, etc.
Im Dreamviews-Forum gibt es noch den Tipp, vor dem Einschlafen ein bis zwei Esslöffel Erdnussbutter zu essen, um die Traumerinnerung zu verbessern. Auch Erdnussbutter hat recht wenige Kohlehydrate, dafür viel Fett und Eiweiß.

Tim Ferriss, ebenfalls Klarträumer, schreibt in seinem Buch 'Der 4-Stunden-Körper' über seine Versuche mit dem Zeo Personal Sleep Coach. Nach Nächten, vor denen er vor dem Schlafengehen einige Löffel Mandelmus, Leinöl und Stangensellerie gegessen hatte, mehr REM-Schlaf hatte und sich am nächsten Morgen besser ausgeruht fühlte. Diese Kombination ist für Träumer besonders interessant. Mandeln enthalten 39 ng/g Melatonin, während das Leinöl viele Omega-3-Fettsäuren bereitstellt, die sich ebenfalls positiv auf das Traumleben auswirken.

Auf der anderen Seite jedoch schreibt ein User im Forum der Lucidipedia, dass seit seiner Ernährungsumstellung auf 80% Kohlehydrate seine Klartraumquote deutlich gestiegen ist.

Möglicherweise hat die Schlaf- und Traumqualität mit dem Essen und der Ernährung zu tun, jedoch scheinen hier Mechanismen am Werk, die ich nicht ganz durchblicke.

Bevor jemand jedoch eine derart radikale Kostumstellung vornimmt, sollte man sich auf jeden Fall gründlich einlesen, Vor- und Nachteile abwägen und wissen, dass Menschen unterschiedlich sind. 

Siehe auch:
Sleepwarrior: Use ketosis to train your brain to sleep less
"Warum macht die Tomate dick?" von Dr. Ulrich Strunz bei Amazon.de

"Der 4-Stunden-Körper" von Tim Ferriss bei Amazon.de

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