Sonntag, 2. September 2012

Traumerinnerung und Traumtagebuch: coole Kurzschrift

Die durchschnittliche Schreibgeschwindigkeit eines erwachsenen Menschen beträgt ca. 30 Wörter pro Minute. Die Sprechgeschwindigkeit liegt je nach Herkunft bei ca. 150 bis 180 Wörter pro Minute, außer bei dem Mann aus der Medikamentenwerbung: 'Zu Risiken und Nebenwirkungen....' wird mit gefühlten 1000 Wörtern pro Minute runtergerasselt.

Um die Diskrepanz zwischen der üblichen Sprech- und Schreibgeschwindigkeit zu überwinden, wurden Kurz- und Schnellschriften erfunden, wie etwa die deutsche Einheitskurzschrift oder die Stiefographie. Mit viel Übung kann man hier Schreibgeschwindigkeiten von 180 WpM und mehr erreichen und im Gericht oder im Parlament als Stenograph arbeiten.

1903 wurde von Robert Boyd eine vollkommen neuartige Kurzschrift entwickelt: die Boyd's Syllabic Shorthand, also die Boyd'sche Silbenkurzschrift.
Mit dieser sollen nach einer Übungszeit von gerade einem Monat, also etwa einem Fünftel der Übungszeit bei anderen Kurzschriften, Schreibgeschwindigkeiten von 100 WpM und nach etwas längerer Übungszeit sogar 200 WpM erreicht werden.

Diese Schrift hat leider wieder den altbekannten Nachteil, dass es keine Rechtschreibung gibt. Leider wurde die Boyd'sche Silbenschrift auch für die englische Sprache optimiert, so dass es keine Zeichen für Umlaute und länderspezifische Sonderzeichen gibt, was möglicherweisen für den Einsatz in anderen Sprachen einige Geschwindigkeitseinbußen zur Folge hat.

Rein optisch macht sie aber viel her: Sie sieht sehr schön aus und schützt die eigenen Aufzeichnungen vor neugierigen Blicken. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand diese Schrift beherrscht, geht gegen Null.

Übungstext aus dem Lehrbuch
Wie man im Beispiel oben sieht, werden hier viele Zeichen überflüssig, teilweise braucht man für ein einziges Wort weniger Zeit als für einen einzigen Buchstaben in der lateinischen Schrift. Für Geschäftsbriefe hat Boyd noch einige häufige Wörter und Phrasen zu Kürzeln zusammengefasst, was für Klarträumer allerdings keine Bedeutung hat.

Nachtrag:
Nach einem Monat täglichen Übens schreibe ich immer noch mit 11 Wörtern pro Minute. Für denselben Text in normaler Schrift brauche ich ziemlich genau halb so lange. Irgendwie scheint Boyd eine andere Lehrmethode gehabt zu haben, von den versprochenen 50 wpm fühle ich mich jedenfalls noch Meilenweit entfernt.
Auch brauche ich, egal wie sehr ich mich bemühe, etwa doppelt bis 1,5 mal so viel Platz für den Text wie in der normalen Handschrift.
Ich werde noch ein wenig dranbleiben und schauen, ob sich ein Durchbruch ergibt.

Siehe auch:
Link zum Onlinekurs
Artikel über Boyd's Syllabic Shorthand in der Wikipedia
Andere Methoden, das Traumtagebuchschreiben zu beschleunigen
Kurzschriften im Vergleich

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen