Donnerstag, 25. Oktober 2012

Wie lange dauern Träume? Die Goblot-Hypothese...

Der französische Gelehrte Louis Ferdinand Alfred Maury hatte ca. 60 Jahre nach der französischen Revolution einen langen Traum, in dem er Zeuge vieler Hinrichtungen wurde und auch selbst verhört und angeklagt wurde. Vom Gericht wurde er in diesem Traum des Landesverrats schuldig gesprochen und zum Tode durch die Guillotine verurteilt.
Der Scharfrichter legte ihn aufs Schafott und lies die Klinge fallen.
Schweißgebadet aber glücklich, am Leben zu sein, wachte er auf. Noch im Bett liegend bemerkte er, dass sich aus seinem Himmelbett eine Stange gelöst hatte und ihm auf den Nacken gefallen ist.
Hatte diese Stange den Traum von der Exekution verursacht? Wenn ja, dann müsste sich dieser lange Traum in der kurzen Zeit, in der sich die Stange löste bis zum Aufschlag auf den Nacken abgespielt haben. Oder handelte es sich dabei nur um Zufall? Oder war die Stange schon viel länger heruntergefallen und hatte schon länger einen Einfluss auf den Trauminhalt gehabt, als der Autor annahm?

Etwa zur gleichen Zeit, im späten 19. Jahrhundert sprach der französische Logiker Edmond Goblot (1858 - 1935) die These aus, dass Träume in Wirklichkeit nur einige Sekunden dauerten und während des Momentes des Aufwachens entstünden. Ob Goblot sich dabei auf Maury bezog, ist mir nicht bekannt.

Diese These war bis vor kurzem nicht unumstritten. Noch 1981 veröffentlichte Calvin S. Hall verschiedene Studien, die die Goblot-Hypothese zu stützen schienen. Er analysierte 217 Traumberichte einer Testperson auf den Einfluss der Umgebung beim Aufwachen auf den Trauminhalt und zog daraus den Schluss, dass die Träume tatsächlich während des Aufwachens entstünden, während andere Forscher (z.B. Ernest Hartmann) schon 1961 vermuteten, dass der Mensch bzw. fast alle Säugetiere und viele Vogelarten die gesamte REM-Phase über träumen würden.

Hier steht man natürlich vor einem Problem: Wie kann man etwas messen, was nur im Kopf der Testperson geschieht und das sofort verschwindet, wenn sie es beschreiben könnte? 

Die Lösung des Problems brachte Stephen LaBerge 1981 mit seinen Untersuchungen an Klarträumern.
Die Annahme, dass die Augenbewegungen während des Traumes mit den Augenbewegungen des schlafenden Menschen übereinstimmen, ermöglicht es dem Träumer, innerhalb gewisser Grenzen mit der Außenwelt zu kommunizieren.
Vor dem Traum wurde ein Zeichen verabredet, mit dem die Versuchsperson dem Versuchsleiter signalisierte, dass sie gerade träumt und weiß, dass sie träumt. Auf dem Elektrookulogramm, das im Schlaflabor die Augenbewegungen aufzeichnet, kann ein schnelles Hin- und Herblicken (LRLR) sehr gut erkannt werden.

Nach einer Zeit von gefühlten 10 Sekunden sollte der Träumer die Bewegung wiederholen und so dem Versuchsleiter zeigen, wie schnell die Zeit für ihn vergangen ist.
Die Ergebnisse zeigten, dass klarträumende Menschen 10 Sekunden genauso gut oder schlecht schätzen wie wache.

Diese und weitere Ergebnisse ließen  F. Guénolé und A. Nicolas zum eindeutigen Schluss kommen, dass Träume tatsächlich während des Schlafes stattfinden und es sich dabei nicht etwa um Nebenprodukte des Aufwachens handelt.

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