Dienstag, 20. November 2012

Die Verschiedenen Klartraumtechniken im Vergleich

Vier Forscher der Uni Heidelberg, Tadas Stumbrys, Daniel Erlacher, Michael Schredl und Melanie Schädlich haben in einer Mammutaktion sämtliche verfügbaren Studien zum Thema 'Induktion von Klarträumen' ausgewertet. In ihrer Recherche haben sie 35 veröffentlichte Studien von unterschiedlichen Forschern (24 Feldstudien und 11 Schlaflaborstudien) gefunden und verglichen.

Die besten Ergebnisse lieferten die bekanntesten Techniken MILD, kritisches Bewusstsein und Tholeys kombinierte Technik, die auch unter dem Namen 'Die zehn Gebote des Klarträumens' bekannt ist.
Einen spannenden Ansatz brachte die Tatsache, dass die Kombination mehrerer Techniken, etwa die MILD-Technik in Verbindung mit dem Dreamlight oder dem Novadreamer, bessere Ergebnisse brachte, als jede der beiden Techniken alleine.
So ergeben sich für beginnende und fortgeschrittene Klarträumer verschiedenste Möglichkeiten, alle möglichen Techniken zu kombinieren: Hypnose mit WBTB und MILD und optischen Signalen von außen usw.

Möglicherweise gibt es noch viele weitere gute und wirkungsvolle Induktionstechniken, über die bislang noch keine Daten bzw. Studien vorliegen. So wurde etwa die Technik des Rhythm-Nappings nicht explizit untersucht.

Während der vergleichenden Analyse der Studien zur WBTB-Methode gibt es auch eine Antwort auf die Frage, wie lange ein WBTB dauern sollte und ob es auch reicht, einfach nur kurz wachzuwerden und dann weiterzuschlafen.
Möglicherweise kann der eine oder andere Klarträumer auch mit einer kurzen Zeit von fünf Minuten gute Erfolge erzielen. Das Optimum für die meisten scheint jedoch bei 30 min bis 2 Stunden zu liegen. Bleibt man kürzer oder länger wach, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf einen Klartraum während des anschließenden Schlafs wieder.

Die Autoren diskutieren die Möglichkeit, ob verschiedene Klarträumer unterschiedlich auf die jeweiligen Induktionstechniken ansprechen. So wirkt die Technik der Autosuggestion besser bei erfahrenen Klarträumern, während Träumer mit einem ausgeprägten vorausschauenden Gedächtnis (Prospective Memory) wahrscheinlich bessere Erfolge mit der MILD-Technik haben werden.

Die untersuchten Techniken:
Im Folgenden sind alle Techniken aufgeführt, über die Studien verfügbar waren.
Die Kommentare in Klammern bedeuten:
'+' (gute Ergebnisse in mehreren Studien erzielt)
'o' (Ergebnisse nicht eindeutig oder bislang nur eine Studie veröffentlicht)
'-' (Es konnte kein Ergebnis erzielt werden)

Kognitive Techniken
MILD (+)
Hierbei handelt es sich um die wohl am besten untersuchte Klartraumtechnik, die auch vielversprechende Ergebnisse liefert. 
Reflektion/Reality Checks (+)
Diese Technik scheint ähnlich effektiv wie der MILD zu sein, effektiver als die anderen kognitiven Techniken Autosuggestion, posthypnotische Suggestion und Intention
Paul Tholeys kombinierte Technik (+)
Die unter dem Namen 'Die zehn Gebote des Klarträumens' bekannte Technik kann die Klartraumfrequenz deutlich erhöhen.

Intention (+)
Hierbei stellt man sich beim Einschlafen möglichst intensiv vor, dass man den Traum als Traum erkennt. Diese Technik ist ähnlich effektiv wie die Autosuggestion (o)
Autosuggestion scheint bei Leuten, die schon Klarträume hatten, besser zu wirken als bei Anfängern.
Post-hypnotische Suggestion (o)
Eine veröffentlichte Studie konnte eine Verbesserung der Klartraumhäufigkeit und -Dauer nachweisen. 
Alpha-feedback-Training(-)
Diese Studie zeigte keinen Zusammenhang zwischen einem Alpha-Feedback-Training und einer erhöhten Klartraumfrequenz.
Dream re-entry (DEILD)(o)
Eine Studie zeigte gute Ergebnisse mit dieser Technik. Beim Erwachen aus einem Traum soll der Träumer still liegenbleiben und wieder in den Traum zurückgleiten. Hierbei soll er entweder die Aufmerksamkeit auf seinen Körper richten oder zählen um seinen Geist wachzuhalten.

Externe Stimulation
Stimulation durch Licht (DreamLight, DreamLink, NovaDreamer) (+)
Der Einsatz optischer Reize kann alleine eingesetzt zu Klarträumen führen. Wird diese Technik jedoch mit der MILD-Technik kombiniert wirkt es besser als beide Techniken alleine.
Akustische Stimulation (o)
Kann unter gewissen Umständen zu Klarträumen führen. Jedoch sind die Studienergebnisse nicht eindeutig.  
Vibro-taktile Stimulation (o)
Kann möglicherweise wirksam sein. Jedoch können genaue Aussagen aus der Studie nicht abgeleitet werden.
Electro-taktile Stimulation (o)
Die Studie berichtete von sehr guten Erfolgen, durch schwache Elektroschocks am Handgelenk Klarträume zu erzeugen. Von 12 Teilnehmern hatten 6 einen Klartraum, zwei weitere wurden klar, wachten aber sofort auf. Weitere Studien werden benötigt.
Vestibuläre Stimulation (o)
Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Stimulation des Vestibulärsystems (z.B. wenn die betreffende Person in einer Hängematte schläft, die während den REM-Phasen geschaukelt wird) während der REM-Phase zu vermehrter Klarheit im Traum führt.
Wasser-Stimulus (-)
Es konnte kein Effekt beobachtet werden.
Medikamente (o)
Die Gabe von Donepezil, einem Acetylcholinestereasehemmer, erhöhte die Klartraumfrequenz sehr deutlich, aber verstärkte auch das Auftreten von Schlafparalysen und Schlaflosigkeit. In hohen Dosen wurden Nebenwirkungen wie Übelkeit beobachtet.
Sonstiges
WBTB (+)
Auch das WBTB alleine scheint die Klartraumhäufigkeit zu erhöhen.  Idealerweise sollte die wache Zeit mindestens 30 und maximal 120 Minuten betragen.

Siehe auch:
Link zur Studie

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