Dienstag, 14. Mai 2013

Brion Gysin und die Traummaschine


Die sogenannte Traummaschine wurde von den Künstler Brion Gysin und Ian Sommerville konstruiert, nachdem sie William Grey Walters Buch 'The living Brain', einem Pionierwerk der Gehirnforschung, gelesen hatten.
Etwa zeitgleich machte Gysin bei einer Fahrt mit einem Bus durch eine sonnendurchflutete Allee die Erfahrung, dass ein Flackern auf den geschlossenen Augenlidern zu intensiven Farbempfindungen führen kann.
Mit diesem Wissen und diesen Erfahrungen fertigten sie den ersten Prototypen. 

Die Traummaschine besteht um einen rotierenden Zylinder mit Lichtschlitzen, in dessen Inneren eine 100-Watt-Glühbirne angebracht wurde.

Die Traummaschine
Die Konstrukteure Gysin und Sommerville verwendeten einen alten Plattenspieler, um den Zylinder in eine Drehbewegung zu versetzen. Dieser lief noch auf einer Drehzahl von 78 Umdrehungen pro Minute.
Durch die Lichtschlitze und die schnelle Drehung ergibt sich ein Flackern in der Frequenz von ca. 10,4 Hz.
Wenn man sich so vor das Gerät hinsetzt, dass die geschlossenen Augen von den sich bewegenden Lichtreflexen getroffen werden, wird der Sehnerv dadurch stimuliert und einige Effekte im Gehirn angeregt:
Der Anwender erlebt helle Farbempfindungen, flackernde bunte Punkte, die sich bis hin zu hypnagogen Szenen steigern können. 


Brion Gysin über seine Erfindung:
Die Traummaschine ist wirklich eine Traummaschine. Eine Person, die ich kannte und welche diesem spinnenden Glanz aussetzte, kam aus ihrem halb-halluzinatorischen Zustand zurück und berichtete ernsthaft, dass sie andere Planeten besucht hätte, mit Außerirdischen, Höhlenmalereien und Kindern. Einige Leute haben über verschiedene Albträume berichtet, aber diese können, wie alle Erfahrungen mit der Maschine, abrupt abgebrochen werden, indem du einfach deine Augen öffnest. [in: Karl Eden - Die Traummaschinen-Pläne]
Ian Sommerville schreibt:
Du siehst sie [die Traummaschine] mit geschlossenen Augen an, und das Flackern spielt über deine Augenlider. Die Visionen  beginnen mit einem Kaleidoskop von Farben, auf einer Ebene vor deinen Augen und  allmählich werden diese komplexer und wunderschön, so zerbrechlich wie Wellen an einer Küste, bis ganze Muster von Farben auf dich hereinbrechen. [ebenda]
Aldous Huxley beschreibt in 'Die Pforten der Wahrnehmung' von ähnlichen Effekten mit einer Stroboskoplampe.

Prinzipiell kann jeder diese Maschine mit wenig Aufwand nachbauen. Das Hauptproblem besteht wohl darin, einen dieser alten, schneller laufenden Plattenspielern aufzutreiben, wobei auch nichts dagegen spricht, mit einem über einen Trafo geregelten Motor zu experimentieren.

Genauso kann man mit etwas Programmieraufwand seinen Computerbildschirm zu einer Mindmachine umwandeln oder ein preiswertes Stroboskop anschaffen.

Epilepsie-Warnung

Karl Eden schreibt in seinem Buch noch einige Worte der Warnung:
Die Traummaschine sollte wie alle Arten von visuellem Brainwave-Entrainment nicht bei einem Hang zur Epilepsie verwendet werden. Man sollte seine Versuche mit flackernden Lichtquellen sofort abbrechen, wenn man eines der folgenden Sypmtome feststellt: Benommenheit, Sehstörungen, Augen- und Muskelzuckungen, Bewusstseinsstörungen, Orientierungsverlust, ufreiwillige Bewegungen und/oder Zuckungen und Krämpfe.

Siehe auch:
Das Buch hat allerdings nur 23 Seiten, von denen ca. 16 nur aus Zeichenvorlagen bestehen.

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