Montag, 13. Januar 2014

Kurzschriften im Vergleich

Schnelleres Traumtagebuch, Kollegen in Meetings beeindrucken, in der Vorlesung mehr vom Stoff mitbekommen, weil man weniger auf das Blatt starren muss... Es hat viele Vorteile eine Kurzschrift zu erlernen.
Aber welche? Es gibt unüberschaubar viele Kurzschriften unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade.

Deutsche Einheitskurzschrift

Die klassische Kurzschrift. Wenn man im allgemeinen von Steno spricht, meint man meistens die Deutsche Einheitskurzschrift. In manchen Teilen Deutschlands wird sie sogar noch in Schulen gelehrt.
Die DEK schreibt phonetisch, d.h. ohne großartige Rechtschreibregeln wie man spricht.
Auch wenn es für einen vaterlandslosen Gesellen wie mich etwas merkwürdig klingen mag: Ich mag die deutsche Rechtschreibung.

Prinzipiell lassen sich mit ausreichend Fleiß Schreibgeschwindigkeiten von bis zu 200 Silben / Minute erreichen, aber auch in der Grundstufe sind 80 bis 120 Silben/Minute möglich, was dem doppelten bis dreifachen der normalen Schreibgeschwindigkeit entspricht.

Artikel über die DEK in der Wikipedia
Übersetzer von Text in die DEK

Stiefographie

Einfacher zu lernen und  fast ebenso mächtig ist die Stiefographie. Mit dem unten verlinkten Lehrbuch braucht man ca. 3 Stunden, um einigermaßen fließend schreiben zu können. Auch mit der Stiefographie sind Endgeschwindigkeiten von 150 Silben pro Minute möglich. Nach einem Volkshochschulkurs mit ca. 15 Unterrichtseinheiten können ca. 80 Silben pro Minute erreicht werden.

Ein Nachteil für mich ist, dass die Stiefographie wie auch die DEK erfunden wurden, um sich Notizen zu machen. Durch die Vereinfachung der Rechtschreibung und der Doppeltbelegung von Zeichen (das Ü wird z.B. wie das I geschrieben) bezweifle ich, dass man mit seinen Aufzeichnungen nach einer gewissen Zeit noch sonderlich viel anfangen kann.

Lehrbuch der Stiefographie online
Vergleich Stiefographie vs. DEK

Teeline Shorthand

Die 1968 von James Hill erfundene Kurzschrift basiert auf dem Alphabet und soll recht schnell zu erlernen sein. Nach einem Tag Üben soll man schon fließend, wenn auch langsam schreiben können.

http://en.wikipedia.org/wiki/File:Teeline-alphabet.jpg














Artikel über die Teeline Shorthand in der Wikipedia
Kurze Diskussion über Teeline Shorthand im mnemotechnics.org - Forum
Onlinekurs Teeline Shorthand

Yublin Shorthand

Die Yublin-Kurzschrift basiert darauf, die häufigsten Wörter der englischen Sprache in Kürzel von einem bis zwei Buchstaben Länge zu übertragen.
Die orginale Yublin-Shorthand kann man problemlos kostenlos lernen, jedoch eignet sich diese Sprache / Kurzschrift meiner Meinung nach nur bedingt für das Deutsche.
Zum Beispiel wird had mit d abgekürzt. Im Englischen funktioniert das für: I had, you had, he had, we had, you had, they had. Im deutschen gäbe es vier verschiedene Wörter.

Aber prinzipiell kann man mit etwas Fleiß ein ähnliches System für die deutsche Sprache erstellen.

Yublin Shorthand - eine komplette Wörterliste
Onlinekurs: Yublin Shorthand bei Memrise.com


 Dutton Speedwords

Die Dutton Speedwords sind eine Kurzschrift und auch gleichzeitig eine internationale Plansprache. Wie bei Yublin sind die häufigsten Wörter durch Kürzel ersetzt. Der Vorteil der Dutton Speedwords liegt darin, dass sie auch auf dem Computer verwendet werden können.
Die erreichbare Geschwindigkeit liegt vermutlich bei ca. 80 Wörtern pro Minute.

3000 Wörter der Dutton Speedwords zum Selbststudium
Onlinekurs für die Dutton Speedwords


Boyd's Syllabic Shorthand

In dieser Schrift wird wiederum phonetisch geschrieben. Die angepriesenen 150 Silben pro Minute habe ich auch nach mehreren Wochen des Übens nicht annähernd erreicht.

Boyd's syllabic shorthand in der Wikipedia
Onlinekurs für die Boyd'sche Silbenschrift.

Gregg Shorthand

Gregg Shorthand soll eine sehr schnelle Kurzschrift sein. Bis zu 280 Wörter pro Minute sollen erreicht werden, was in etwa dem zehnfachen der normalen Schreibgeschwindigkeit entspricht. Dabei soll diese Sprache auch noch schneller als andere Kurzschriften zu erlernen sein. Außerdem existieren noch Anpassungen an die Besonderheiten der unterschiedlichen Sprachen wie etwa Spanisch oder Deutsch.
Zusammengefasst kann man sagen: ein echtes Multitalent unter den Kurzschriften.

Gregg Shorthand angepasst an deutsche Aussprache

Siehe auch:

Allgemeine Tipps für Schnellschreiber

Kommentare:

  1. Danke für die Übersicht!

    [Leider durf man hier kein blockquote verwenden, dann muß halt em reichen…]

    Ich mag die deutsche Rechtschreibung.

    Ich auch. ;-) Aber ich find das nicht so schlimm – Stenografie gibt halt das gesprochene Wort wider, und beim Sprechen hört man ja auch keine Rechtschreibung…

    In der Stiefografie (ich denke auch in der DEK, aber da kenn ich mich nicht so gut aus) sind alle Konsonanten außer y und v (Es gibt ja keinen „V-Laut“ – man spricht entweder f oder w. Ich hab mir allerdings fürs Buchstabieren bzw. Abkürzungen ein Zeichen dafür ausgedacht.) vorhanden, wobei ein expliztes x und qu erst in der Aufbauschrift kommen. Die von Dir angesprochene „Doppeltbelegung“ von Vokalen (iü, eä, ei-aiay usw.) find ich nicht so problematisch, wie sich das zunächst anhört. Meist ergibt sich aus dem Zusammenhang, ob „vier“ oder „für“, „Beeren“ oder „Bären“, „Tier“ oder „Tür“, „Tuben“ oder „Tauben“ gemeint sind. Ansonsten können die Vokale durch einen Punkt darunter auseinandergehalten werden. Auch für Doppelkonsonanten (bzw. eigentlich kurze Vokale) gibt es Symbole („Beet“ oder „Bett“).

    bezweifle ich, dass man mit seinen Aufzeichnungen nach einer gewissen Zeit noch sonderlich viel anfangen kann.

    Ich hab grad mal die Probe gemacht und einen Text rausgesucht, der ein Jahr (und ein Tag *g*) alt ist. Ich hab ungefähr Mitte Oktober 2013 mit der Stiefografie angefangen, zu diesem Zeitpunkt also gut einen bis anderthalb Monate Übung mit der Grundschrift gehabt. Ich konnte wiederlesen, größenteils problemlos. Es gab ein paar Stolperstellen, wo ich zwei- oder dreimal hinschauen mußte, weil ich schlampig geschrieben hatte. Komplett unleserlich war nichts. Ein paar sechs Monate alte Texte, in denen ich schon die Aufbauschrift (ziemlich am Anfang von Teil 2) verwendet habe, konnte ich auch gut wiederlesen. Allerdings ist Schreiben während des Zugfahrens keine ganz so gute Idee. ;-)

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    1. Cool, Danke für die Infos.
      Schön, Infos aus erster Hand zu hören. Gerade die Frage, ob man nach längerer Zeit mit seinen Texten noch viel anfangen kann, hat mich beschäftigt. Aber schön, dass es tatsächlich funktioniert.

      Ich versuche noch, mich für die Gregg Shorthand zu motiveren. Vielleicht mache ich im neuen Jahr noch einen Anlauf.

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  2. Gregg hat den Vorteil, daß es ziemlich viel Material (auch im Netz) und aktive Communities gibt. Außerdem braucht man im Unterschied zu vielen anderen Systemen kein liniertes oder kariertes Papier. Da die Schrift zu einem großen Teil aus Bögen, Schleifen und spitzen Winkeln besteht, schreibt sie sich wahrscheinlich sehr flüssig.

    Allerdings ist es, soweit ich das mitbekommen habe, mit dem Wiederlesen machmal schwierig, weil sehr stark gekürzt wird; weil die drei Größen, in denen die Konsonantformen vorkommen, sauber unterschieden werden müssen; und weil es relativ wenig Vokalzeichen gibt.

    Es ist schwerer zu erlernen als Teeline.

    Ich habe auch keine Ahnung, wie gut die Anpassung auf Deutsch http://gregg.angelfishy.net/grmng001.shtml funktioniert. Oder schreibst Du Englisch?

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    1. Mit der deutschen Anpassung komme ich gut klar. Die wenigen Vokale finde ich auch etwas ärgerlich. Wenn man es sich danach vorliest klingt es wie eine Mischung aus Fränkisch und Jiddisch, aber man versteht es ganz gut.

      Bei den Konsonanten muss man wirklich sorgfältig schreiben, da sonst aus einem R schnell ein L wird.
      Ich schreibe mir immer auf, wie lange ich geübt habe. 20 Stunden sind mein Ziel und danach werde ich mal meine Schreibgeschwindigkeit messen. Bin mal gespannt.

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  3. Wie bist Du vorangekommen mit Gregg? Ich bin immer noch dabei, Teeline zu lernen, allerdings für Englisch. Das funktioniert jetzt schon halbwegs, wenn auch umständlich und vor allem langsam.

    Für englisches Gregg hab ich neulich zwei Blogs gefunden: bei http://ashorthandjourney.blogspot.com/ dokumentiert die Autorin ihren Lernfortschritt; http://dailygregg.tumblr.com/ hat Leseübungen und allgemeine Tips.

    Und noch ganz schamlos etwas Eigenwerbung: auf http://steno.effjot.net/ schreibe ich über und in Teeline und Stiefo.

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    1. Danke für die Links. Sehr lesenswert. Momentan bin ich vom Gregg wieder etwas abgekommen, da mir ein anderes Projekt dazwischengekommen ist. Mittlerweile bin ich aber im Gregg-Abschreiben zum ersten Mal schneller als mit Langschrift. Das ist schomal was.

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  4. Seit ein paar Monaten halte ich einen kostenlosen Stenokurs auf YouTube. Ganz klassisch Deutsche Einheitskurzschrift. Falls jemand interessiert ist, findet er den Kurs und das dazugehörige kostenlose Übungsmaterial auf meiner Homepage: http://www.dominique-clarier.com

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