Samstag, 11. Januar 2014

Tagebuchschreiben - Eine Kläranalage für den Geist

Tagebuchschreiben klingt jetzt zuerst einmal wenig spannend. Ein wenig nach Teenagerliebe und Wendy-Heftchen... :)
Zum ersten mal lief mir eine Art des Tagebuchschreibens über den Weg, als ich mich intensiver mit Persönlichkeitswachstum befasst habe.
Vera Birkenbihl etwa beschreibt in ihrem Blog eine Methode zur Persönlichkeitsentwicklung, die sie die 'Kläranlage des Geistes' nennt.

Hierbei schreibt man einfach zehn Minuten lang komplett unzensiert auf, was einem gerade in den Sinn kommt. Komplett unzensiert, die einzige Regel sagt: der Stift darf nie stillstehen. Im schlimmsten Fall würde man die ganze Zeit nur 'Mir fällt nichts ein, mir fällt nichts ein.... ' schreiben.

Das sollte man am besten gleich mal ausprobieren. Es hat wirklich phänomenale Wirkungen.
Bitte jetzt nicht weiterlesen, sondern erstmal einen Block und einen Stift hernehmen und 10 Minuten ununterbrochen und unzensiert einfach drauflosschreiben :)
Das Thema ist egal, man schreibt einfach auf, was einem durch den Kopf geht.


Und? Wie fühlst du dich?


Dieses unzensierte Schreiben hat darüberhinaus tatsächlich messbare Wirkungen. Chade-Meng Tan, der Persönlichkeitscoach von Google, beschreibt in seinem Buch 'Search inside yourself' mehrere Studien, die die Wirksamkeit dieser einfachen Technik belegen:

In der ersten Studie wurden Leute gleicher Qualifikation, die vor kurzem ihren Job verloren haben, in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe wurde angewiesen,  jeden Tag eine gewisse Zeit in ihrem Tagebuch zu schreiben. Die andere Gruppe diente lediglich  zu Kontrollzwecken und bekam keine weiteren Anweisungen.
Nach Ablauf von acht Monaten wurden die beiden Gruppen wieder miteinander verglichen. Von den Tagebuchschreiberlingen hatten 68,4% eine neue Anstellung gefunden, aus der Kontrollgruppe lediglich 27,3%. [1]

Studien der University of Texas und der University of Missouri verglichen sowohl Noten und Wohlbefinden als auch körperlich messbare Werte ihrer beiden Testgruppen miteinander. Die Testgruppe wurde angehalten, jeden Tag eine kurze Zeit über ihre Stimmungen zu schreiben.
Die Resultate waren sowohl eine sofortige Verbesserung der Stimmung und der Blutwerte. In einer Studie mit Colleagestudenten wirkte sich das Tagebuchschreiben sogar positiv auf deren Noten aus. [2]

So kann man mit sehr wenig zeitlichem und finanziellem Aufwand eine Gewohnheit schaffen, von der man auf vielen Ebenen profitiert.

Quellen:

[1] S.P. Spera et al. "Expressive writing and Coping with Job Loss", Academy of Management Journal 37, 1994, S.722-733
[2] Know Thyself, Very short list (2.März 2013)

Siehe auch:
Unzensiertes Schreiben: Traumerinnerung, Traumdeutung, Persönlichkeitswachstum

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