Montag, 1. Dezember 2014

20 Stunden Übungszeit?

Kann man eine neue Fähigkeit in nur zwanzig Übungsstunden erlernen? Josh Kaufman sagt: "Ja, es geht! - Wenn man seine Strategie optimiert!" ´
Auch Tim Ferriss und Pablo A. Celnik haben interessante Strategien, um das Lernen zu beschleunigen.

Tim Ferriss

Seine Strategie lässt sich zusammenfassen mit DiSSS
  • Deconstructing - Die neue zu erlernende Fähigkeit in einzelne Teilaspekte zerlegen
  • Selecting - Auswählen, welche dieser Teilaspekte relevant sind
  • Sequencing - Die Teilaspekte in ungewöhnlicher Reihenfolge üben
  • Selecting stakes - sich durch Belohnung oder angedrohte Bestrafung motivieren
Wenn ich beispielsweise die Fähigkeit des Didgeridoospielen dekonstruieren würde, dann bekomme ich die Teilaspekte Drone, Obertonvariation, Zirkularatmung, Zwerchfell, Stimme, Overblow und Rhythmus.
Mit diesem Wissen schaue ich mir grandiose Spieler wie beispielsweise Zalem oder Adele B. an und vergleiche, welche Aspekte bei ihrem Spiel relevant sind und für den guten Klang verantwortlich sind. Für einen totalen Anfänger sind erst einmal Drone, Zirkularatmung, Obertonvariation und Rhythmus relevant. (Selektion)
Nun übt man diese Teilaspekte einzeln oder in einer Reihenfolge, in der sie auf den ersten Blick vielleicht keinen Sinn machen. Im Video erzählt er von einem Schachprofi, der die hauptsächlich die letzten Züge Schachpartie übt oder wie er selbst zum Tango-Champion wurde, indem er die Frauenschritte sehr genau studiert hat. (Sequencing). Ebenfalls sollten diese Teilaspekte entspannt und nicht unter Druck geübt werden. Hier im Beispiel des Didgeridoospielens würde ich die Zirkularatmung nicht während des Spielens üben, weil die Gefahr, dass der Ton abreißt einen (zumindest mich) unter Druck setzt. Statt dessen habe ich mich wirklich eine Stunde hingesetzt und diesen einen Moment geübt, in dem der Ton nicht mehr mit der Luft aus der Lunge sondern aus den Wangen gespielt wird. Für einen Außenstehenden muss es sich ziemlich nervig gewesen sein, eine komplette Stunde nur "Bröt.. Bröt... Bröt" zu hören.
Ob und welche "Stakes" (kann man mit "Wetteinsätze" übersetzen) man verwendet, bleibt einem selbst überlassen. Man könnte einen YT-Vlog machen, sich mit guten Freunden über seine Fortschritte austauschen (Besser nur mit wirklich guten Freunden. Mäßig gute Freunde haben manchmal die demotivierende Angewohnheit, einen "wieder auf den Boden zurückzuholen").  Im Video beschreibt Ferriss noch weitere amüsante Ideen.


Pablo A. Celnik

Kleine Änderungen während des Übens sorgen dafür, dass man sich eine Fähigkeit schneller aneignet als wenn man eine Übung stumpf wiederholt. Dabei reicht es aus, wenn die Änderungen wirklich gering sind. Zu große Änderungen können sogar kontraproduktiv sein. 
Das hat Pablo A Celinik von der John Hopkins University School of Medicine herausgefunden.

Study: Subtle modifications during practice = faster skill mastering

Josh Kaufman

Kaufman geht ähnlich vor wie Tim Ferriss:
  • Deconstruct the skill
  • Learn enough to self-correct
  • Remove practice barriers
  • Practice at least 20 hours
Auch hier ist der erste Schritt, die relevanten Teilaspekte zu finden. Als zweiten Schritt eignet man sich so viel Wissen an, damit man sich selbst korrigieren und verbessern kann. Der dritte Schritt, alle Übungsbarrieren wegzuschaffen ist eigentlich selbstverständlich. Wenn man beispielsweise erst einmal auf den Dachboden muss, um umständlich sein Musikinstrument zu holen, übt man natürlich weniger spontan als wenn es neben einem auf der Couch liegt.
Jetzt muss man nur noch den Popo zusammenkneifen und für 20 Stunden dran bleiben.



Wenn man diese Strategien der beiden anwendet, kann man seine Fortschritte deutlich beschleunigen. Ich bin mir sicher, dass man auf jeden Fall spürbare und messbare Ergebnisse bekommt. Mich stören jedoch die großen Erwartungen, die vor allem von Josh Kaufman geweckt werden. Natürlich ist es möglich, mit 20 Übungsstunden 4 Akkorde auf der Ukulele zu klampfen und dabei einigermaßen taktsicher den Rhythmus zu halten.
Trotzdem halte ich es für sinnvoll, beide Strategien anzuwenden.

Von Vera F. Birkenbihl stammt noch der Tipp, sich während dieser Übungsperiode regelmäßig zu filmen oder aufzunehmen. Man wird nach den 20 Stunden auf jeden Fall über seine Fortschritte erstaunt sein.
Nautilus - K. Anders Ericsson, Ph.D und Robert Pool
K. Anders Ericsson, Ph.D und Robert Pool haben einen ähnlichen Ansatz. In ihrem Artikel im Nautilus-Blog beschreiben sie zwei wichtige Punkte beim Üben: Ziele / Feedback und das Verlassen der Komfortzone.
Nur dadurch, dass man sich im Laufe seines Übens immer wieder realistische Ziele steckt und sie erreicht, kann man stetig besser werden. Je mehr und je schneller man ein Feedback bekommt, um so effizienter ist das Training.
Im Laufe des Trainings wird man früher oder später an ein OK-Plateau gelangen. Ein Level, bei dem man einigermaßen gut in einer Sache ist. An diesem Punkt hören die meisten auf, sich zu fordern. Häufig wird nur noch mechanisch wiederholt. Hier sollte man stetig die Komfortzone verlassen und sich weiter und auf vielfältige Weise fordern.



Siehe auch:
Artikel über Tim Ferriss bei Lifehacker.com
Artikel über Josh Kaufman bei Lifehacker.com


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