Dienstag, 2. Dezember 2014

Sprechen Sie D-Prime?

Was passiert, wenn man von heute auf morgen damit aufhört, das Wort "sein" in allen seinen Variationen zu verwenden? Auf diese Idee brachte mich Robert A. Wilson mit seinem Buch "Quantum Psychology".
Die Idee eine Sprache ohne das Verb "sein" zu verwenden geht auf Alfred Korzybski zurück und wurde von D. David Bourland in den frühen Sechzigerjahren verfeinert. Der Sinn besteht darin, die Sprache weg vom Dogmatischen und Absoluten zu führen und die eigene Wahrnehmung mehr in den Vordergrund zu rücken. So können Missverständnisse vermieden werden.

Statt "Du bist heute aber schlecht gelaunt" würde ein Satz in D-Prime lauten: "Du erscheinst mir heute aber schlecht gelaunt". Mir persönlich gefällt der zweite Satz deutlich besser, er klingt fast wie eine Aufforderung zum Gespräch.
Ich habe diese Variation der Sprache eine Zeit lang sehr pedantisch durchgehalten. Die Effekte haben mich doch ziemlich beeindruckt. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, in der ich für meine Umwelt wahrscheinlich ungewöhnlich langsam gesprochen habe machte es irgendwann dann Klick. Die Sprache floss wieder und ich lebte plötzlich in einem Universum voller bereichernder Möglichkeiten. Gefühlt konnte ich dadurch Diskussionen weniger stur und rechthaberisch führen. Auch die Ansichten und Argumente des Gesprächspartners wurden in meinem Kopf in D-Prime umgewandelt so dass es mir einerseits leichter fiel, einfach zu sagen: "Let's agree to differ" - "Lass uns darüber einigen, dass wir uns in diesem Punkt nicht einigen werden". Andererseits verbesserte sich die gefühlte Qualität meiner Kommunikation, so dass ich meine Gesprächspartner da abholen konnte, wo sie standen.

Ich kann jedem nur empfehlen, mal für einen Monat zum Sprachveganer zu werden und mal auszuprobieren, was diese Variation mit dem Denken so macht.

Siehe auch:
Artikel über E-Prime in der Wikipedia
Quantum Psychology von Robert A. Wilson bei Amazon

1 Kommentar:

  1. Das ist eine wirklich richtig gute Idee. Ich denke, das werde ich direkt mal ausprobieren! (Diesen Post ausgenommen :D)
    Sprache fasziniert mich total und ich schöpfe sie gern voll aus, da kann so ein Wegstreichen des Wortes wirklich interessante Effekte haben.

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