Dienstag, 21. Juni 2016

Sleep Meditation - Ein anderer Ansatz

Einen neuen Ansatz, um Klarträume zu bekommen stellt James F. Pagel in seinem Beitrag 'Lucid Dreaming as Sleep Meditation' im Buch  Lucid Dreaming: New Perspectives on Consciousness in Sleep vor.

Meditation im Schlaf

Die Verschmelzung von Schlaf und Meditation wurde erstmals von Prahevajra (184-57 v.Chr.) in der Dzogchen-Schule des tibetischen Buddhismus erwähnt. Seit über zwei Jahrtausenden spielt diese Art der Meditation eine Rolle im Buddhismus und Hinduismus.

Meditation im Schlaf ist ein ungewöhnliches Phänomen: einerseits zeigen die Gehirnwellen im EEG leichten Schlaf, REM-Schlaf oder sogar Tiefschlaf an, auf der anderen Seite ist der Meditierende bewusst und kann sogar die Meditationshaltung aufrecht halten und das, was er erlebt steuern.

Sie kommt häufig vor, wenn der oder die Meditierende unausgeschlafen, müde oder gelanweilt ist. Erfahrene Meditierende können sofort in eine so tiefe Meditation einsteigen, die man vom Klartraum praktisch nicht mehr unterscheiden kann.

Ein anderer Weg

Die klassischen Klartraumtechniken wie kritisches Bewusstsein funktionieren am besten, wenn man ausschlafen kann und dadurch eine gute Traumerinnerung hat. Das ist aber nicht für jeden der Fall. Schichtarbeiter oder Menschen, die entgegen ihrem Biorhythmus arbeiten müssen, sind bei den alten Ansätzen eindeutig im Nachteil. Dieser Nachteil wandelt sich hier zum Vorteil.

Der Unterschied zum WILD

Diese Technik ist der klassischen WILD-Technik des bewussten Einschlafens sehr ähnlich. Wo liegen genau die Unterschiede?
Einerseits die Intention, mit der man an die Technik heran geht. Das primäre Ziel des bewussten Einschlafens ist es, direkt in einen Klartraum zu gelangen. In der Regel stellt man sich keinen Wecker. Die Meditation im Schlaf ist in erster Linie eine Meditation, bei der man die Bewusstseinsinhalte beobachtet und seine Wahrnehmung schult. Wenn dabei ein Klartraum entsteht, ist das ein angenehmer Nebeneffekt. Außerdem ist die Meditation zeitlich begrenzt.

TLDR: Meditiere, wenn du sehr müde bist und erlebe den Schlaf bewusst

Im tibetischen Traumyoga gibt es noch deutlich ausführlichere Methoden und ganze Tagesprogramme. Einen kurzen Vorgeschmack bietet diese Übung:

Man setzt sich aufrecht hin, etwa in den Lotossitz, den Schneidersitz oder bequem mit geradem Rücken auf eine Stuhl und stellt einen Timer. Mit der Dauer kann man etwas experimentieren. Für Anfänger 20 Minuten, im Tibetischen Traumyoga wird standardmäßig mit 2 Stunden gearbeitet.
Diese Übung funktioniert am besten, wenn man sehr müde ist.

Nun beginnt man für eine gewisse Zeit zu meditieren. Man kann seinen Atem oder seinen Körper beobachten oder etwas visualisieren. Dabei lässt man zu, dass der Körper einschläft und das Gehirn zu träumen beginnt. Das beobachtet man mit einem wachen Geist.

Am Ende überträgt man das Erlebte in sein Traumtagebuch.

Effekte

Ein weiterer Vorteil ist, dass man an Träume und Hypnagogien aus der Schlafmeditation sogar eine noch bessere Erinnerung hat als an die normalen Nachtträume.

Vermutlich hat diese Form der Meditation einen Einfluss auf die allgmeine Traumerinnerung und die Klartraumhäufigkeit.

Siehe auch:

Klarheit erhöhen: aufrecht schlafen 
Rhythm Napping
Breaking down the Wall 

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