Freitag, 12. Mai 2017

Die ultradiane Heilreaktion

Gibt es einen kleinen, geheimen Trick, der uns wacher und konzentrierter macht, gleichzeitig stressresistenter und weniger krankheitsanfällig. Der uns dazu noch hilft, schneller in einer Disziplin zur Meisterschaft zu gelangen?
Es gibt ihn: Der Trick ist, regelmäßig - etwa alle anderthalb bis zwei Stunden - eine kurze Pause von 15 bis 25 Minuten einzulegen.

Leben im Takt des Gehirns

In seiner Arbeit mit Milton Erickson hat Ernest Rossi herausgefunden, dass Körper und Geist eines Menschen etwa alle 90 bis 120 Minuten in den Standby-Modus gehen. Das ist die ideale Zeit für eine kleine Pause von 15 bis 20 Minuten. Er nannte diesen Vorgang die 'Ultradiane Heilreaktion', da sie mehrmals (ultra = mehrmals) am Tag (dies = Tag) auftritt.


Diese Zeitspanne entspricht genau dem BRAC, dem Basic Rest-Activity Cycle des menschlichen Gehirns. In der ersten Phase schwingen die Gehirnwellen schneller, man ist wacher und leistungsfähiger. Man hat mehr und bessere Ideen. In der zweiten Phase, am Ende eines jeden Zyklus, verlangsamen sich die Gehirnwellen, man fühlt sich müde und benommen.


Das ist der ideale Zeitpunkt für eine Pause. Leider ist genau das nicht gern gesehen. Arbeitgeber und Mitmenschen wäre es am liebsten, wenn wir 24 Stunden lang geschäftig umhertrieben. Aber genau das Gegenteil ist sinnvoll: Wer regelmäßig Pausen macht, arbeitet danach effektiver und konzentrierter weiter, so dass er am Ende des Tages sogar mehr geschafft hat.
Regelmäßige Pausen machen die Menschen außerdem noch belastungsfähiger, ausgeglichener und sorgen dafür, dass sie seltener krank werden. Das zeigen die Untersuchungen von Ernest Rossi. Allein das sollte Unternehmen eigentlich überzeugen, für mehr statt weniger Pausen einzutreten.

Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens - John Steinbeck

In einigen Unternehmen beginnt bereits ein Umdenken: Das Heiztechnik-Unternehmen Vaillant hat in Zusammenarbeit mit der Universität Wuppertal die Wirksamkeit von Power-Naps untersucht. Die Ergebnisse sind eindeutig: Wer zwischendurch ein Schläfchen macht, ist konzentrierter und schneidet in Aufmerksamkeitstests besser ab.
Im Chemieunternehmen BASF kann man seit 2008 Kurse im Gesundheitsförderungszentrum Kurse zum Thema Powernapping machen.

Siehe auch:

20 Minuten Pause von Ernest L. Rossi bei Amazon.de
"Büroschlaf" als Angstwort - TAZ.de
One Simple Thing That Makes You a Star - Huffingtonpost.com

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