Freitag, 20. Oktober 2017

Klartraum-Plausch X: Würdest du viel Geld für ein Klartraum-Induktionsgerät ausgeben?

In der zehnten Ausgabe des Klartraum-Plauschs von Traumlektuere.com geht es um die Frage:

Würdest du viel Geld für ein Klartraum-Induktionsgerät ausgeben?
Eine gute Frage, die man von vielen Seiten beleuchten kann.
Leider gibt es momentan keine zuverlässige technische Möglichkeit, Klarträume hervorzurufen. Die auf den ersten Blick vielversprechende transcranielle Wechselstromstimulation (tACS) entpuppte sich als Luftnummer. Die besser erforschte Methode, dem Träumer von außen durch Leuchtdioden zu signalisieren, dass er gerade träumt,  ist da etwas wirksamer. Von 'Klarträumen auf Bestellung' sind beide Methoden noch weit entfernt.

Angenommen, es gäbe so ein Gerät, das bei einmaliger Anwendung einen Klartraum hervorrufen würde, wie viel Geld würde ich dafür ausgeben? Würde ich es überhaupt haben wollen?

Wie viel Geld ist viel?

Der durchschnittliche Nettolohn in Deutschland betrug 2016 etwa 1800 €. Ein Tageslohn wäre dann bei 90€.
Würde ich vier Tage nur dafür auf die Arbeit gehen, dass ich mir das besagte Gerät leisten kann? Eine Playstation kostet mit etwas Zubehör etwa so viel. Wären mir regelmäßige Klarträume so viel wert wie eine Playstation?
Würde ich einen halben Monat nur dafür arbeiten, um regelmäßig klar träumen zu können? Eine Woche Urlaub würden etwa so viel kosten. Was würde ich wählen: Eine Woche Urlaub oder regelmäßige Klarträume?

Was ist ein mir ein Klartraum wert?

Interessant ist auch die Frage: Wie viel ist mir ein Klartraum wert? Kann ich den Wert eines luziden Traums in Geld bemessen?
Wenn ich das Klarträumen nur zur Unterhaltung betreibe, wäre es mir dann so viel wert wie ein Kinobesuch? Oder ein Besuch im Zoo?
Wenn ich aber kreativ tätig bin, dann könnte ein Klartraum viel mehr wert sein. Die Melodie von Yesterday hatte Paul McCartney in einem Traum. Das unbegrenzte kreative Potenzial eines Klartraums anzapfen zu können, wäre einigen sicherlich mehr Geld wert.

Langzeiteffekte des Gerätes

Wie würde sich die Benutzung des fiktiven Gerätes auf meine langfristige Fähigkeit zum Klarträumen auswirken? Würde ich davon auch ohne Gerät ein besserer Klarträumer (Ähnlich wie bei Stützrädern am Fahrrad)?
Das würde meine Kaufentscheidung noch weiter beeinflussen.

Meine Entscheidung

In einer neuen Studie der Universität Adelaide konnten 53% der Teilnehmer innerhalb einer Woche ihren ersten Klartraum bekommen - ganz ohne äußere Hilfsmittel. Die Kombination von Reality Checks und MILD/WBTB führte zu einer phänomenalen Erfolgsquote von 17%. Hut ab!
Ich denke, dass das größte Potenzial nicht in äußeren Hilfsmitteln sondern in der Entwicklung neuer und effektiveren Techniken liegt.

Wenn mir jemand ein tatsächlich wirksames Gerät anbieten würde, würde ich es für 200€ kaufen.

Siehe auch:

Alle Beiträge zum Klartraum-Plausch

Freitag, 13. Oktober 2017

ASMR und Klarträume

ASMR, ausgeschrieben Autonomous Sensory Meridian Response, ist ein kribbelndes Gefühl, das sich vom Nacken über die Kopfhaut und den Rücken ausbreitet. Von der Art her würde ich ASMR so beschreiben, wie wenn man von einem dieser SensusMagnus-Kopfmassage-Geräten massiert wird. Dieses Gefühl wird durch verschiedene Reize wie etwa Flüstern, Papierrascheln oder von Trommel von Fingernägeln auf einer harten Oberfläche ausgelöst. ASMR tritt jedoch nicht bei allen Menschen auf.
In den sozialen Medien hat sich eine große Community gebildet, sogenannte ASMRtists veröffentlichen Videos mit Triggern, die bei ihren Zuschauern dieses manchmal als tranceartig beschriebene Gefühl auslösen sollen. Die größten Kanäle haben über 1,3 Millionen Abonnenten.
Es scheint eine Verbindung zum Klarträumen zu geben: Einige Klarträumer nutzen ASMR, um bewusster Einschlafen zu können und im Gegenzug haben viele ASMR-Künstler auch Videos veröffentlicht, in denen sie mit flüsternder ASMR-Stimme das Klarträumen erklären.
Besonders gut gefallen mir die Videos von Olivia Kissper. Auch ohne ASMR sind ihre Videos gut recherchiert und informativ.


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Siehe auch:

Artikel über ASMR in der englischen Wikipedia
An examination of the default mode network in individuals with autonomous sensory meridian response (ASMR)

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Gedanken zu Telepathie und Shared Dreams

Anlässlich des Discord-Treffens des Träume-Bewusstseins-Netzwerks am 13.10.2017 zum Thema Telepathie und Shared Dreams wollte ich ein paar Gedanken festhalten und teilen, da ich zeitlich leider nicht am Treffen teilnehmen kann.
Wie kann man Telepathie und Shared Dreams am besten untersuchen?
Im Ankündigungstext der Veranstaltung steht:
Verschiedene Weltbilder und neue Besucher sind herzlich willkommen.
Ich hoffe, dass ich mit diesen Gedanken ein wenig beitragen kann.
Der verflixte Zufall und andere Fallstricke
Die Herausforderung paranormalen Experimenten liegt darin, einerseits die Ergebnisse eindeutig vom Zufall abzugrenzen und andererseits dafür zu sorgen, dass man wirklich ein paranormales Phänomen beobachtet.
Der menschliche Geist bzw. die menschliche Wahrnehmung ist zu beeindruckenden Leistungen fähig, die auf den ersten Blick wie Telepathie wirken. Mentalisten wie Thorsten Havener oder Derren Brown sind fähig, anhand der unbewussten Gesichtszuckungen einer Versuchsperson ihre Handynummer herauszufinden, nur indem sie die Person dabei beobachten, wie sie die Nummer im Geist durchgeht.
Dieses Phänomen ist nicht nur auf Menschen beschränkt. Paul Watzlawick beschreibt in 'Wie wirklich in die Wirklichkeit' die Geschichte vom 'klugen Hans', einem Pferd, das ihm gestellte Rechenaufgaben mit Klopfen des Hufs beantwortet. Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass das Pferd die menschliche Sprache versteht und tatsächlich rechnen kann. Tatsächlich liest das sensible Tier die Körpersprache des Menschen. Sobald die richtige Anzahl an Klopfzeichen erreicht ist, sendet man unbewusst ein Signal und das Pferd stellt das Klopfen ein.
Diese Kommunikation sollte man beim Design eines geeigneten Experiments im Hinterkopf behalten und einen unbewussten Informationsfluss unterbinden.
Wie kann man sicher sein, dass das Ergebnis des Experiments tatsächlich einen Effekt beschreibt und nicht nur auf blankem Zufall beruht? Mithilfe statistischer Methoden kann diesem Problem beikommen.
Mathematisch am einfachsten ist es, das Experiment als Bernoulli-Versuch zu designen. Ein Bernoulli-Versuch ist ein Experiment, das beliebig oft wiederholt werden kann und dessen Ergebnisse keinen Einfluss auf das nächste Ergebnis haben werden. Weiterhin gibt es nur zwei mögliche Ausgänge (Erfolg und Misserfolg) und konstante Wahrscheinlichkeiten. Diese Begriffe werden im folgenden Kapitel genauer erklärt.
Zener-Karten
Telepathie lässt sich gut durch die Zener-Karten untersuchen. Hierbei handelt es sich um ein beliebig großes Set an Karten mit fünf unterschiedlichen Symbolen. Die beiden Teilnehmer haben die Aufgabe, der anderen Person den Inhalt der Karte telepathisch mitzuteilen.
Dieses Experiment erfüllt genau die Kriterien des Bernoulli-Versuchs: Kann beliebig oft wiederholt werden, die Ergebnisse sind quasi unabhängig von dem vorherigen Ergebnis, es gibt nur Erfolg (richtig übertragen) und Misserfolg (keine Übereinstimmung) und eine konstante Wahrscheinlichkeit (wenn der Teilnehmer raten würde, läge er immerhin in 20% der Fälle richtig).
Beim Bernoulli-Versuch gibt es Richtwerte, wie häufig ein Ergebnis aus blankem Zufall auftreten würde.
Ohne zu sehr ins Detail zu gehen hier eine Beispielrechnung:
Untersucht wird ein Kartendeck mit 100 Karten. Rein zufällig würden wir einen Wert von 20 Erfolgen erwarten. 100 Karten mal einer Wahrscheinlichkeit von 0,2 ergeben den Erwartungswert von 20.
mü = n mal p
Wenn unser Testpaar 20 Erfolge hat, wäre es sehr wahrscheinlich, dass es sich bei diesem Ergebnis um Zufall handelt. Wie sieht es aber bei 21 Erfolgen aus? Oder bei 30? Ab wie vielen Erfolgen können wir tatsächlich von einem Effekt sprechen, der über den Zufall hinaus geht?
Hierfür gibt es den Wert der Standardabweichung Sigma. Diese berechnet sich aus der Wurzel aus der Anzahl der Versuche, der Erfolgswahrscheinlichkeit und der Misserfolgswahrscheinlichkeit. 
 Sigma = Wurzel aus n mal p mal q
Bei den 100 Versuchen und einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 0,2 (=20%) und einer Misserfolgswahrscheinlichkeit von 0,8 ergibt sich ein Wert von 4.
Durch die Sigma-Regeln können wir sagen, dass bei so einem Experiment in 68% der Fälle das Ergebnis zwischen 16 und 24 liegen wird. Allein durch den Zufall.
In 95,5% der Fälle wird das Ergebnis zwischen 12 und 28 liegen und in 99,7% der Fälle wird das Ergebnis zwischen 8 und 32 Erfolgen liegen. Das heißt, bei einem einzelnen Experiment wäre bei mehr als 28 Treffern ein anderer Effekt als der Zufall zu vermuten.
Das gilt aber nicht, wenn ich das Experiment von oben mit 100 unterschiedlichen Versuchspersonen durchführe. In 95,5% aller Fälle liegt das Ergebnis allein durch den Zufall außerhalb des angegebenen Bereichs, d.h. 4,5% der Teilnehmer liegen entweder unter 12 oder über 28 Treffern.
Wenn man eine große Menschengruppe untersucht, müssen deutlich strengere Maßstäbe verwendet werden.
Die Ganzfeld-Versuche
Eine ebenfalls gerne verwendete Methode, um telepathische Phänomene zu untersuchen, sind Experimente,  die auf dem Ganzfeld-Effekt beruhen. Versuchsperson 1 sieht sich in einem Raum  einen Film an, Versuchsperson 2 befindet sich in einem anderen Raum in einem Zustand des Reizentzugs: Über halbierte Tischtennisbälle und Kopfhörer werden alle Umweltreize abgeschirmt, was das Gehirn dazu bewegt, in einen traumartigen Zustand überzugehen. Die Versuchsperson 2 spricht ihre Gedanken, Visionen und Assoziationen laut aus. Diese werden dokumentiert und einem unabhängigen Juror vorgelegt. Anhand dieses Berichts soll der Juror den Film von Versuchsperson 1 aus einer Liste von vier Filmen auswählen.
Hier haben wir wieder ein Bernoulli-Experiment, auf das wir die Formeln von oben anwenden können.
Experimente zur Traumtelepathie
Die oben beschriebenen Experimente können leicht modifiziert für traumtelepathische Experimente verwendet werden. Idealerweise gibt es drei bis vier Beteiligte. Einen Sender, einen Empfänger, einen Juror und eine Person, die die Auswertung macht.
Übertragung von Bildern
Aus einer Sammlung von Bildern (z.B. von Pixabay.com) werden 4 Bilder zufällig ausgewählt. Diese werden dem Juror übergeben. Aus den verbleibenden vier Bildern wählt der Auswerter wiederum eines zufällig aus, das er dem Sender übergibt.
Der Empfänger versucht in der Nacht vorher, dem Empfänger das Bild auf irgend eine Weise telepathisch mitzuteilen (Dabei darf, nachdem der Sender das Bild bekommen hat, kein Kontakt mehr stattfinden).
Der Traumbericht des Empfängers wird dem Juror übermittelt und er versucht, anhand des Berichts ein Bild auszuwählen und teilt seine Wahl dem Auswerter mit.
Übertragung von Filmen
In Zeiten von Youtube und Netflix kann dieses Experiment auch mit Videofilmen wiederholt werden. Die Auswertung bleibt dabei gleich.
Vergleich der Träume
Die Methode, über einen Juror Traumberichte einem anderen Ereignis zuzuordnen, könnte man theoretisch auch auf jeden Traumbericht einer Nacht von zwei Personen anwenden. Dem Juror würden je vier Traumberichte vorgelegt, von denen je einer des Empfängers und Senders tatsächlich aus einer Nacht stammen. Die Erfolgswahrscheinlichkeit, dass der Juror tatsächlich die richtigen Traumberichte zuordnet, läge hier bei 1/16el.
Bei der Auswertung müsste man noch beachten, dass die Standardabweichung Sigma größer als 3 sein muss, damit man die Sigma-Regeln anwenden darf.
Dieses Experiment hätte jedoch den Nachteil, dass es nicht nur auf tatsächliche Telepathie anschlagen würde, sondern auch auf gemeinsame Lebensereignisse der Versuchspersonen, wie z.B. Jahreszeiten, Wohnort oder ähnlichem.
Deshalb würde ich die Versuche 1 und 2 vorziehen, wenn sich genügend Teilnehmende finden.
Ich wünsche euch einen schönen Chat und viel Spaß beim Träumen
Siehe auch: