Dienstag, 19. Dezember 2017

RILD - Rehearsal Induced Lucid Dream

Der Youtuber Tipharot stellt in einem seiner Videos eine neue Technik vor, die er RILD nennt: Rehearsal Induced Lucid Dream, also durch Einstudieren / Wiederholen erzeugter Klartraum. Die Technik klingt vielversprechend. Auf den ersten Blick ist sie den Techniken VILD, MILD und Waking Fantasy Training sehr ähnlich, ich würde sagen, sie ist eine Mischung als allen dreien.

Durchführung:

Schließe die Augen und stelle dir vor, dass du an einem anderen Ort bist. Du kannst überall starten: in deinem Zimmer, auf dem Mars oder in Ägypten. Sieh dich im Geiste um und versuche dir die Situation möglichst genau vorzustellen. Richte deine Aufmerksamkeit auch auf alle anderen Sinne: Was hörst du? Was fühlst oder riechst du?
Gehe nun ein paar Schritte in Gedanken und wiederhole diesen Vorgang. Gehe eine kurze Route ab und kehre dann auf die gleiche Weise wieder zurück zum Anfang.
Wenn du wieder dort angelangt bist, kannst du die Augen öffnen.


Das ist ein Durchgang.


Diese 'Reise' wiederholt man tagsüber mehrmals im Geiste. Mit jeder Wiederholung wird die Vorstellung intensiver. Am Abend vor dem Einschlafen und eventuell während eines WBTB geht man die Reise ebenfalls wieder durch und nimmt sich vor, davon zu träumen und im Traum zu erkennen, dass man gerade träumt.

Gedanken

Ich hoffe, dass ich alles richtig verstanden und übersetzt habe. Wenn jemand einen Fehler bemerkt, dann bin ich über einen Kommentar sehr dankbar, das Video bette ich unten ein.
Ich bin sehr daran interessiert, welche Erfahrungen ihr mit dieser Technik macht.





Siehe auch:

Waking Fantasy Training
Breaking down the Wall
Anleitung für MILD - Mnemonic Induction of Lucid Dreams
Anleitung für VILD - Visualy incubated lucid dreams





Sonntag, 3. Dezember 2017

Blicktechniken im Klartraum


Paul Tholey hat einen sehr interessanten Aufsatz über die Wirkungen des Blicks während des Traums oder des Klartraums verfasst.

Hier geht es zum ganzen Text

Wenn man im Wachen mit dem Blick experimentiert, kann das schon sehr beeindruckende Wirkungen haben. Viele Meditationsformen nutzen genau diesen Effekt.
Eine sehr einfache Übung ist z.B. einen Gegenstand zu betrachten und sich dann vorzustellen, man würde durch diesen Gegenstand durchschauen. Das führt zu einer kleinen Änderung in der Stellung der Augen, die schon eine Wirkung hat.
Während des Traums durchgeführt, entfalten diese Blicktechniken sogar noch eine viel größere Wirkung. Tholey schreibt:

Die hierbei auftretenden Phänomene sprengen teilweise jegliche, von der Wachwahrnehmung geprägte, Vorstellungskraft, so daß man mit Fug und Recht von einem 'entfesselten Blick' sprechen kann.
Weiter unten schreibt er:

Wenn das erforderliche Maß an Übung erreicht ist, können im Klartraum Erlebnisformen verwirklicht werde, die von der Alltagsansicht her unvorstellbar oder gar undenkbar erscheinen
In diesem Aufsatz beschreibt Paul Tholey Blickvariationen, die man im Wachzustand sowie im Traumzustand üben kann. Besonders beeindruckt haben mich diese Blickvarianten:


Der weiche Blick



Der weiche Blick ist die Grundlage für viele weiterführende Blickvarianten. Am besten ist es, wenn man den weichen Blick im Wachen einübt, um ihn dann im Klartraum sofort abrufen zu können. 
Tholey schreibt außerdem, dass der weiche Blick in vielen Kulturen bekannt ist und dazu verwendet wird, um 'schöpferisches Denken, Gestalten und Handeln im Wachzustand positiv zu beeinflussen'. 

Der weiche Blick wird häufig bei Stereogrammbildern (z.B. das magische Auge) verwendet, um die verborgenen 3D-Bilder sichtbar zu machen. 
Hierfür bringt man  seine beiden Daumen in gleichem Abstand vor die Augen und fixiert mit dem Blick einen Bereich hinter den Daumen, so dass sich wie in den Bilder unten die doppelten Bilder überlagern.

Blicktechniken im Klartraum

Blicktechniken im luziden Traum
 Diese Blicktechnik kann auch als Stabilisierungstechnik verwendet werden.




Der magische Blick



Anders als  beim weichen Blick bezieht sich der magische Blick auf den Inhalt des Traumes und darauf, darauf Einfluss zu nehmen.
Allein durch die Absicht oder die Art, wie der Träumer Objekte oder Traumpersonen betrachtet, kann er Einfluss auf deren Eigenschaften und Verhalten nehmen. Betrachtet man eine feindselige Traumgestalt liebevoll, wird sie ihr Verhalten ändern und zugänglicher.
So kann der Träumer den Traum steuern


360°-Blick, Kugelblick und Tunnelblick



Der Träumer kann sein Gesichtsfeld immer weiter ausdehnen bis es den kompletten Raum einnimmt. Dieses Phänomen wird von verschiedenen Autoren beschrieben, unter anderem Werner Zurfluh und Robert Bruce. Ebenfalls wird es im Film „Waking Life“ erwähnt.

Eine Möglichkeit, diesen Blick zu erreichen, so schreibt Tholey, besteht darin, sich langsam nach hinten rotieren zu lassen und dabei zu versuchen, die Traumumgebung unten weiter im Blick zu behalten.


Der außerkörperliche Blick



Physikalisch funktioniert das Sehen so, dass Licht von außen auf die Netzhaut trifft. Man selbst nimmt den Blick häufig als eine Art Strahl wahr, der von den Augen zu den betrachteten Objekten trifft, ähnlich wie Cyclops von den X-Men. 
Mit diesem Bild kann man im Klartraum und während hypnagoger Phasen interessante Effekte hervorrufen, etwa einem hypnagogen Bild Stabilität geben. 
Oder man kann sein Ich auf diesem Blickstrahl 'reisen' lassen und sich zu jedem Ort, den man sehen kann, teleportieren.  Es ist sogar möglich, sein Ich mit dieser Methode in eine fremde Traumfigur zu versetzen. 

Der doppelte Blick

Es ist möglich, sich während des Klartraums zu teilen und von zwei Ich-Kernen aus die Traumumgebung zu beobachten. Die einfachste Methode ist, sich dies während des Traums zu suggerieren.
 


Der erleuchtete Blick

Dieser Blick ermöglicht es dem Träumenden, eine kosmische Erfahrung zu machen. Tholey beschreibt diesen Bewusstseinszustand mit einem Zitat des japanischen Philosophen Izutsu:
'An dieser Stelle verlieren alle Dinge ihre wesentliche Begrenzung. Und da fließen alle Dinge ineinander, einander widerspiegelnd und voneinander widergespiegelt in dem genzenlos ausgedehnten Feld des Nichts ... das Erfahren des Nichts (bedeutet) nicht etwa, daß das Bewußtsein unbesetzt und leer wird. Ganz im Gegenteil, das Bewußtsein 'ist' durch sich selbst in der unverdorbenen Reinheit, reines Licht oder einfache Erleuchtung, durch sich selbst erleuchtet und sich selbst erleuchtend. Es ist das SEHEN.'

Hierfür wechselt man vom Erleben zu einem passiven, hingebungsvollen Schauen und gelangt so in diesen Bewusstseinszustand, den man mit genügend Übung auch die ganze Nacht aufrecht halten kann. 

Siehe auch:



Freitag, 1. Dezember 2017

Australische Studie überprüft Wirksamkeit der Klartraumtechniken RCs, WBTB, MILD

In der Ausgabe 27 No. 3 des Magazins 'Dreaming' wurde eine Studie veröffentlicht, die die Wirksamkeit der Klartraumtechniken 'Reality Testing', 'WBTB' und 'MILD' vergleicht.
 
Die Studie wurde von Dr. Denholm Aspy von der University of Adelaide durchgeführt. Es wurden   drei Gruppen mit insgesamt 169 Teilnehmende verglichen. Jede dieser Gruppen führte zu Vergleichszwecken eine Woche lang Traumtagebuch. In der darauffolgenden Woche bekam jede Gruppe eine Methode zugewiesen:
  • Gruppe 1 machte täglich mindestens 10 Reality Checks
  • Gruppe 2 machte zusätzlich zu den Reality Checks noch ein WBTB, stand also nach 4-5 Stunden Schlaf für etwa eine halbe Stunde auf.
  • Gruppe 3 führte Reality Checks durch und wendete nach dem WBTB die MILD-Technik an.

Ergebnisse

Untersucht wurde, in wie vielen Nächten die Versuchspersonen einen Klartraum hatten. Als besonders effektiv erwies sich die Kombination der drei Techniken RC, WBTB und MILD. Die Versuchspersonen konnten ihre Klartraumquote von 9,4% auf 17.4% steigern. D.h. in Woche 2 war die Klartraumrate 84,5% höher als in Woche 1.  
In einer bislang noch nicht veröffentlichten Studie hat Dr. Aspy die SSILD-Technik untersucht. Die Klartraumquote konnte um 54% gesteigert werden. Damit ist die MILD+WBTB-Technik etwas wirksamer als SSILD.


In der Tabelle unten ist aufgeführt, in wie vielen Nächten ein Klartraum aufgezeichnet wurde.


Methode Woche 1 Woche 2 Verbesserung  p
Reality Testing 8,1 % 7,6 % -6,8 % 0,786
RT + WBTB 6,9 % 10,7 % 54,1 % 0,301
RT + WBTB + MILD 9,4 % 17,4 % 84,5 % 0,003
SSILD 9,5 % 14,7 % 54,1 % N.A.

Interessantes

Wenn die Probanden sich nach der ersten Nachthälfte an keinen Traum erinnern konnten, hatten sie danach bessere Erfolge mit der MILD-Technik nach dem WBTB.
Die Probanden fühlten sich am Tag nach einem Klartraum ausgeschlafener und bewerteten ihre Schlafqualität als etwas besser.
Obwohl 36% der Teilnehmenden bereits Erfahrungen im Klarträumen hatten, hatte dies keinen messbaren Effekt auf die Wirksamkeit der Klartraumtechniken. Anfänger und Erfahrene hatten gleich gute Erfolge.

Anmerkungen:

Die Studie war sehr gut designt. Im veröffentlichten Paper geht der Autor auf viele weitere Parameter ein, die die Effektivität der Klartraumtechniken beeinflussen.

Probanden:

Die Klartraumquote der Versuchsgruppe vor den Klartraumtechniken lag mit 8,1% vergleichsweise hoch. Das entspricht einer Klartraumquote von 2,4 klaren Nächten pro Monat.
Insgesamt 27% der Probanden hatten in Woche 1 mindestens einen Klartraum. War die Studie repräsentativ?

Reality Checks

Die Testgruppe, die nur Reality Checks durchführte konnte die Klartraumquote im Lauf der Studie nicht steigern. Der Autor räumt ein, dass der Zeitraum von einer Woche sehr kurz gewählt war und vermutet, dass ein längerer Untersuchungszeitraum bessere Erfolge bringen könnte.
Die Probanden führten durchschnittlich 10 Reality Checks pro Tag durch. Möglicherweise hätten mehr Reality Checks ebenfalls bessere Ergebnisse erzielt. Das könnte Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.

MILD-Techniken in den Medien

Die MILD-Technik wird in vielen Zeitungsberichten über diese Studie falsch beschrieben. Ein wichtiger Punkt ist, dass man sich nach dem WBTB bildhaft vorstellt, wie man in einem zukünftigen Traum klar wird und nicht nur, dass man beim Einschlafen eine Affirmation wiederholt.

Siehe auch:

Wie man Klarträumen lernt - Süddeutsche.de
Reality testing and the mnemonic induction of lucid dreams: Findings from the national Australian lucid dream induction study.
Website von Dr. Denholm Aspy
Verschiedene Klartraumtechniken im Vergleich