Freitag, 1. Dezember 2017

Australische Studie überprüft Wirksamkeit der Klartraumtechniken RCs, WBTB, MILD

In der Ausgabe 27 No. 3 des Magazins 'Dreaming' wurde eine Studie veröffentlicht, die die Wirksamkeit der Klartraumtechniken 'Reality Testing', 'WBTB' und 'MILD' vergleicht.
 
Die Studie wurde von Dr. Denholm Aspy von der University of Adelaide durchgeführt. Es wurden   drei Gruppen mit insgesamt 169 Teilnehmende verglichen. Jede dieser Gruppen führte zu Vergleichszwecken eine Woche lang Traumtagebuch. In der darauffolgenden Woche bekam jede Gruppe eine Methode zugewiesen:
  • Gruppe 1 machte täglich mindestens 10 Reality Checks
  • Gruppe 2 machte zusätzlich zu den Reality Checks noch ein WBTB, stand also nach 4-5 Stunden Schlaf für etwa eine halbe Stunde auf.
  • Gruppe 3 führte Reality Checks durch und wendete nach dem WBTB die MILD-Technik an.

Ergebnisse

Untersucht wurde, in wie vielen Nächten die Versuchspersonen einen Klartraum hatten. Als besonders effektiv erwies sich die Kombination der drei Techniken RC, WBTB und MILD. Die Versuchspersonen konnten ihre Klartraumquote von 9,4% auf 17.4% steigern. D.h. in Woche 2 war die Klartraumrate 84,5% höher als in Woche 1.  
In einer bislang noch nicht veröffentlichten Studie hat Dr. Aspy die SSILD-Technik untersucht. Die Klartraumquote konnte um 54% gesteigert werden. Damit ist die MILD+WBTB-Technik etwas wirksamer als SSILD.


In der Tabelle unten ist aufgeführt, in wie vielen Nächten ein Klartraum aufgezeichnet wurde.


Methode Woche 1 Woche 2 Verbesserung  p
Reality Testing 8,1 % 7,6 % -6,8 % 0,786
RT + WBTB 6,9 % 10,7 % 54,1 % 0,301
RT + WBTB + MILD 9,4 % 17,4 % 84,5 % 0,003
SSILD 9,5 % 14,7 % 54,1 % N.A.

Interessantes

Wenn die Probanden sich nach der ersten Nachthälfte an keinen Traum erinnern konnten, hatten sie danach bessere Erfolge mit der MILD-Technik nach dem WBTB.
Die Probanden fühlten sich am Tag nach einem Klartraum ausgeschlafener und bewerteten ihre Schlafqualität als etwas besser.
Obwohl 36% der Teilnehmenden bereits Erfahrungen im Klarträumen hatten, hatte dies keinen messbaren Effekt auf die Wirksamkeit der Klartraumtechniken. Anfänger und Erfahrene hatten gleich gute Erfolge.

Anmerkungen:

Die Studie war sehr gut designt. Im veröffentlichten Paper geht der Autor auf viele weitere Parameter ein, die die Effektivität der Klartraumtechniken beeinflussen.

Probanden:

Die Klartraumquote der Versuchsgruppe vor den Klartraumtechniken lag mit 8,1% vergleichsweise hoch. Das entspricht einer Klartraumquote von 2,4 klaren Nächten pro Monat.
Insgesamt 27% der Probanden hatten in Woche 1 mindestens einen Klartraum. War die Studie repräsentativ?

Reality Checks

Die Testgruppe, die nur Reality Checks durchführte konnte die Klartraumquote im Lauf der Studie nicht steigern. Der Autor räumt ein, dass der Zeitraum von einer Woche sehr kurz gewählt war und vermutet, dass ein längerer Untersuchungszeitraum bessere Erfolge bringen könnte.
Die Probanden führten durchschnittlich 10 Reality Checks pro Tag durch. Möglicherweise hätten mehr Reality Checks ebenfalls bessere Ergebnisse erzielt. Das könnte Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.

MILD-Techniken in den Medien

Die MILD-Technik wird in vielen Zeitungsberichten über diese Studie falsch beschrieben. Ein wichtiger Punkt ist, dass man sich nach dem WBTB bildhaft vorstellt, wie man in einem zukünftigen Traum klar wird und nicht nur, dass man beim Einschlafen eine Affirmation wiederholt.

Siehe auch:

Wie man Klarträumen lernt - Süddeutsche.de
Reality testing and the mnemonic induction of lucid dreams: Findings from the national Australian lucid dream induction study.
Website von Dr. Denholm Aspy
Verschiedene Klartraumtechniken im Vergleich

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