Sonntag, 3. Dezember 2017

Blicktechniken im Klartraum


Paul Tholey hat einen sehr interessanten Aufsatz über die Wirkungen des Blicks während des Traums oder des Klartraums verfasst.

Hier geht es zum ganzen Text

Wenn man im Wachen mit dem Blick experimentiert, kann das schon sehr beeindruckende Wirkungen haben. Viele Meditationsformen nutzen genau diesen Effekt.
Eine sehr einfache Übung ist z.B. einen Gegenstand zu betrachten und sich dann vorzustellen, man würde durch diesen Gegenstand durchschauen. Das führt zu einer kleinen Änderung in der Stellung der Augen, die schon eine Wirkung hat.
Während des Traums durchgeführt, entfalten diese Blicktechniken sogar noch eine viel größere Wirkung. Tholey schreibt:

Die hierbei auftretenden Phänomene sprengen teilweise jegliche, von der Wachwahrnehmung geprägte, Vorstellungskraft, so daß man mit Fug und Recht von einem 'entfesselten Blick' sprechen kann.
Weiter unten schreibt er:

Wenn das erforderliche Maß an Übung erreicht ist, können im Klartraum Erlebnisformen verwirklicht werde, die von der Alltagsansicht her unvorstellbar oder gar undenkbar erscheinen
In diesem Aufsatz beschreibt Paul Tholey Blickvariationen, die man im Wachzustand sowie im Traumzustand üben kann. Besonders beeindruckt haben mich diese Blickvarianten:


Der weiche Blick



Der weiche Blick ist die Grundlage für viele weiterführende Blickvarianten. Am besten ist es, wenn man den weichen Blick im Wachen einübt, um ihn dann im Klartraum sofort abrufen zu können. 
Tholey schreibt außerdem, dass der weiche Blick in vielen Kulturen bekannt ist und dazu verwendet wird, um 'schöpferisches Denken, Gestalten und Handeln im Wachzustand positiv zu beeinflussen'. 

Der weiche Blick wird häufig bei Stereogrammbildern (z.B. das magische Auge) verwendet, um die verborgenen 3D-Bilder sichtbar zu machen. 
Hierfür bringt man  seine beiden Daumen in gleichem Abstand vor die Augen und fixiert mit dem Blick einen Bereich hinter den Daumen, so dass sich wie in den Bilder unten die doppelten Bilder überlagern.

Blicktechniken im Klartraum

Blicktechniken im luziden Traum
 Diese Blicktechnik kann auch als Stabilisierungstechnik verwendet werden.




Der magische Blick



Anders als  beim weichen Blick bezieht sich der magische Blick auf den Inhalt des Traumes und darauf, darauf Einfluss zu nehmen.
Allein durch die Absicht oder die Art, wie der Träumer Objekte oder Traumpersonen betrachtet, kann er Einfluss auf deren Eigenschaften und Verhalten nehmen. Betrachtet man eine feindselige Traumgestalt liebevoll, wird sie ihr Verhalten ändern und zugänglicher.
So kann der Träumer den Traum steuern


360°-Blick, Kugelblick und Tunnelblick



Der Träumer kann sein Gesichtsfeld immer weiter ausdehnen bis es den kompletten Raum einnimmt. Dieses Phänomen wird von verschiedenen Autoren beschrieben, unter anderem Werner Zurfluh und Robert Bruce. Ebenfalls wird es im Film „Waking Life“ erwähnt.

Eine Möglichkeit, diesen Blick zu erreichen, so schreibt Tholey, besteht darin, sich langsam nach hinten rotieren zu lassen und dabei zu versuchen, die Traumumgebung unten weiter im Blick zu behalten.


Der außerkörperliche Blick



Physikalisch funktioniert das Sehen so, dass Licht von außen auf die Netzhaut trifft. Man selbst nimmt den Blick häufig als eine Art Strahl wahr, der von den Augen zu den betrachteten Objekten trifft, ähnlich wie Cyclops von den X-Men. 
Mit diesem Bild kann man im Klartraum und während hypnagoger Phasen interessante Effekte hervorrufen, etwa einem hypnagogen Bild Stabilität geben. 
Oder man kann sein Ich auf diesem Blickstrahl 'reisen' lassen und sich zu jedem Ort, den man sehen kann, teleportieren.  Es ist sogar möglich, sein Ich mit dieser Methode in eine fremde Traumfigur zu versetzen. 

Der doppelte Blick

Es ist möglich, sich während des Klartraums zu teilen und von zwei Ich-Kernen aus die Traumumgebung zu beobachten. Die einfachste Methode ist, sich dies während des Traums zu suggerieren.
 


Der erleuchtete Blick

Dieser Blick ermöglicht es dem Träumenden, eine kosmische Erfahrung zu machen. Tholey beschreibt diesen Bewusstseinszustand mit einem Zitat des japanischen Philosophen Izutsu:
'An dieser Stelle verlieren alle Dinge ihre wesentliche Begrenzung. Und da fließen alle Dinge ineinander, einander widerspiegelnd und voneinander widergespiegelt in dem genzenlos ausgedehnten Feld des Nichts ... das Erfahren des Nichts (bedeutet) nicht etwa, daß das Bewußtsein unbesetzt und leer wird. Ganz im Gegenteil, das Bewußtsein 'ist' durch sich selbst in der unverdorbenen Reinheit, reines Licht oder einfache Erleuchtung, durch sich selbst erleuchtet und sich selbst erleuchtend. Es ist das SEHEN.'

Hierfür wechselt man vom Erleben zu einem passiven, hingebungsvollen Schauen und gelangt so in diesen Bewusstseinszustand, den man mit genügend Übung auch die ganze Nacht aufrecht halten kann. 

Siehe auch:



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